Bandscheibenvorfall: Was tun, operieren oder abwarten?

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Jeder fünfte Österreicher leidet unter ständigen, anhaltenden Schmerzen. Zu den häufigsten Leiden zählen Kopf- sowie Nackenbeschwerden und – allen voran – Rückenschmerzen. Rund 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung sagt dabei aus, schon mindestens einmal unter Wirbelsäulenproblemen gelitten zu haben. Oft lautet die Diagnose des Arztes dabei: Bandscheibenvorfall! Über eine optimale Behandlung der Erkrankung wird häufig diskutiert – betroffene Personen sind aber oft im Unklaren. Die wichtigsten Fragen dazu, beantwortet Dr. Max Böhler, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie.

Beim Bandscheibenvorfall handelt es sich um eine schmerzhafte Erkrankung der Wirbelsäule bzw. Abnützung der Bandscheiben. Die Ursachen liegen oft in einer Fehl- und Überbelastung der Wirbelsäule. Die damit verbundenen Schmerzen beschränken sich dabei nicht nur auf die Wirbelsäule, sondern strahlen meist in Gesäß und Beine aus. Wie man einen Bandscheibenvorfall richtig behandeln kann und was es zu bedenken gibt, erklärt Experte Dr. Max Böhler.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ein Bandscheibenvorfall kann prinzipiell auf zwei Arten behandelt werden: entweder durch konservative Therapien oder Operationen, wobei chirurgische Eingriffe nur in den seltensten Fällen notwendig sind. Meistens verschwinden Schmerzen bereits durch schmerzlindernde Medikamente, Wärme, Lagerungsmaßnahmen oder Physiotherapie.

Wann muss ein Bandscheibenvorfall operiert werden?

Das prinzipielle Ziel eines Eingriffs ist neben der Besserung des Bewegungsdefizits, die Linderung der Schmerzen, wobei Beinschmerzen hierbei deutlich besser zu beeinflussen sind als Rückenbeschwerden. Eine Operation ist nur bei einem Massenbandscheibenvorfall, der mit einer Lähmung einhergeht, absolut notwendig. Selbst bei anhaltenden Rückenschmerzen ohne große Schädigung der Wirbelsäule muss keine Operation durchgeführt werden.

Warum tritt eine Genesung nach einer Operation nicht immer ein?

Nicht alle Eingriffe bringen den gewünschten Erfolg. Manche Patienten berichten sogar von einer Zunahme der Schmerzen nach der Operation. Die Gründe dafür können etwa in einem neuerlichen Bandscheibenvorfall oder in Entzündungen und Narben im Bereich des Operationsgebietes liegen. Außerdem steigt nach einem Eingriff häufig die Belastung für die angrenzenden Teile der Wirbelsäule, was zu Schmerzen führen kann. Um das Risiko einer fehlgeschlagenen Operation zu vermeiden, sollte ein Eingriff deshalb nur in wirklich notwendigen Fällen erfolgen. Die Chancen sowie Risiken müssen sorgfältig abgewogen und die Ursache des Schmerzes im Vorfeld ganz exakt abgeklärt werden.

Gibt es überhaupt vollständige Heilungschancen?

Im Idealfall erreicht man zwei Jahre nach der Behandlung eine 85-prozentige Verbesserung der Lebensqualität. Eine Langzeituntersuchung zeigt dabei, dass selbst nach Ablauf von sieben Jahren die verbesserte Lebensqualität weiterhin Bestand hat. Allerdings ist zu beachten, dass die Werte normaler, altersgleicher Wirbelsäuen von gesunden Menschen nicht erreicht werden können.

Wie sieht die Rehabilitation nach einer Operation an der Wirbelsäule aus?

Am ersten Tag nach der Operation können die Patienten – sofern es der Kreislauf zulässt – unter Anleitung bereits rückengerecht aufstehen. In den drei Tagen danach sollten sich operierte Personen langsam und steigend mobilisieren, sodass bereits am vierten Tag, mit Hilfe von Physiotherapeuten, das Treppensteigen möglich wird. Allgemein gilt:
Die Mahlzeiten zwei Wochen lang im Stehen einnehmen und das Kopfteil des Bettes flachgestellt lassen. Langes Sitzen sollte man in den ersten zwei Wochen vermeiden, ebenso wie das Schlafen in Bauchlage. Nach sechs Wochen sind Rotation oder leichte Seitenneigung des Körpers möglich.

Ist es möglich, nach einer Operation wieder Sport zu treiben?

Eine reguläre Ausübung von Sport ist es erst nach sechs Monaten ratsam, wobei Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen, Walken, Radfahren vorzuziehen sind. Sportarten mit abrupten Drehbewegungen, harten Stopps oder Erschütterungen sollten hingegen vermieden werden.

Kann man einen Bandscheibenvorfall auch mit Laser behandeln?

Ja! Dabei handelt es sich um eine Technik, bei der im Rahmen eines operativen Eingriffs mit Hilfe des Lasers das geschädigte Bandscheibengewebe zum Schrumpfen gebracht wird. Das geschrumpfte Gewebe drückt anschließend nicht mehr auf die Nerven und der Bandscheibenvorfall ist somit geheilt. Das Verfahren, das auch als Shrinking bezeichnet wird, kommt immer wieder erfolgreich zum Einsatz.

Welche Auswirkungen haben unbehandelte Vorfälle

Wird ein Bandscheibenvorfall nicht behandelt, können aufgrund der dauernden Druckbelastung des Nervengewebes bleibende Nervenschäden entstehen. Häufig haben diese nur Gefühlsstörungen zur Folge, können gelegentlich aber auch bleibende Lähmungen verursachen. Das Auftreten von chronischen Schmerzen ist meistens auf eine fehlende oder falsche Behandlung zurückführbar.

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Quelle:

– Univ.Doz. Dr. Max Böhler (Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie)

Dr. Max Böhler ist spezialisiert auf Endoprothetik und hat bereits über 9.000 chirurgische Eingriffe durchgeführt. Er führt zwei Ordinationen in Wien Favoriten und in Baden bei Wien. Neben seiner Tätigkeit als Lehrbeauftragter an der Medizinischen Universität Wien und als Konsiliarorthopäde am Evangelischen KH Wien Währing ist Dr. Böhler orthopädischer Fachgutachter der Ethikkomission der Gemeinde Wien und allgemein beeideter & gerichtlich zertifizierter Gerichtssachverständiger. Er war bereits in verschiedensten Spitälern, Krankenhäusern und Kliniken im In- und Ausland tätig (u.a. Wien, Amsterdam, Bern, Cleveland, Paris).

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