Weiter Zwist um ELGA

Politik & Forschung

Die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) sorgt weiter für Verstimmung im Gesundheitssektor. Während Gesundheitsministerium, Betreibergesellschaft und Hausärzteverband einander widersprechende Aussagen treffen, wächst die Unsicherheit bei den Patienten. dabei sollte gerade ihnen damit geholfen werden: ELGA soll im Falle einer medizinischen Behandlung den behandelnden Ärzten die notwendige Vorinformation bereitstellen und diesen Zugriff auch den Patienten selbst ermöglichen.

Durch ELGA erhält der behandelnde Arzt Vorbefunde, Entlassungsberichte und die aktuelle Medikation seiner Patienten als unterstützende Entscheidungsgrundlage für die weitere Diagnostik und Behandlung.

Als Vorteile führt die Betreibergesellschaft ELGA GmbH

  • die Erhöhung der Patientensicherheit (u.a Medikamentenübersicht, Kontrolle, Wechselwirkungen)
  • eine Verbesserung der Behandlungsqualität
  • den einfacheren Zugriff auf eigene Befunde über sicheres Internet
  • eine Steigerung der eigenen Gesundheitskompetenz
  • die Vermeidung von Mehrfachuntersuchungen
  • die Vermeidung von möglichen Behandlungsfehlern
  • und eine zeitnahe Verfügbarkeit relevanter Informationen (Befunde, Medikamente)
  • an. Die gröbsten Bedenken werden von Kritikern allerdings im Bereich des Datenschutzes geäußert. Der Österreichische Hausärzteverband rät Patienten jedenfalls zum Austritt aus ELGA (Opt-Out). Auch er führt Datenschutzbedenken an, Hauptgrund dürfte allerdings die Angst vor unbezahltem Mehraufwand für die niedergelassenen Ärzte sein.

    „Den Ärzten wird Mehrarbeit aufs Aug gedrückt. Dadurch wird sich auch die Behandlungsdauer pro Patient erhöhen. In Folge brauchen wir mehr Ärzte“, so der ÖHV-Präsident Euler. Die Befürchtung ist aber, dass Kassenärzte, die derzeit im Schnitt ohnehin nur rund 1,50 Euro pro Patient und Behandlung bekommen würden, diese Mehrarbeit kostenlos erledigen müssen, so Euler. Diese Sorge ist berechtigt – erklärt aber auch, warum der Hausärzteverband wirklich so vehement gegen ELGA mobilisiert.

    „Wir wollen niemanden überreden, aus der Elektronischen Gesundheitsakte auszutreten, sondern wir wollen nur informieren“, erklärte Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes (ÖHV) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Thema „Raus aus ELGA“ in Wien. Die Töne, die dort angeschlagen wurden, decken sich jedoch nicht ganz mit denen der Plakate, die bald in sämtlichen Kassenpraxen Österreichs aufliegen könnten. Dort steht nämlich: „Ihr Hausarzt empfiehlt: Raus aus ELGA. 10 Gründe, um auszusteigen“.

    ELGA GmbH vs. ÖHV auf Rücken der Patienten

    Verfechter des Projektes führen an dass ELGA als eines der größten gesundheitspolitischen Projekte Österreichs bei weitem mehr Anklang findet, als von Gegnern behauptet wird, zeigt eine im Jänner in Auftrag gegebene Befragung von Oekonsult. Demnach ist eine deutliche Mehrheit der österreichischen Bevölkerung (88 Prozent) für die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte.

    „Die Anti-ELGA-Kampagne des Hausärzteverbandes und der Wiener Ärztekammer liefert ganz bewusst Falsch-Informationen und spielt mit den Ängsten der Menschen. Das schlägt sich in Verunsicherung der Bevölkerung nieder“, kritisiert Susanne Herbek, Geschäftsführerin der ELGA GmbH und selbst Ärztin, die jüngste Vorgehensweise des Hausärzteverbandes: „Ich appelliere an Sachlichkeit und Dialogbereitschaft und fordere die sofortige Einstellung der Panikmache, damit der Fokus der öffentlichen Diskussion wieder zur Gesundheit der Patientinnen und Patienten zurückkehrt,“ führt Herbek weiter aus.

    Unter dem großen Kreis der ELGA-Befürworter befinden sich zahlreiche Interessenvertretungen wie u.a. die Patientenanwaltschaft,
    die Arbeiterkammer, Selbsthilfegruppen sowie die Seniorenorganisationen. Sie alle sind der Meinung, dass ELGA das Leben im Gesundheitswesen massiv erleichtern wird und fordern die Ärzteschaft dazu auf, die vielen Pro-ELGA-Stimmen und die tatsächlichen Interessen ihrer Patientinnen und Patienten nicht weiterhin zu ignorieren.

    Datenschutz und Datensicherheit als oberstes Prinzip?

    Während Datenschützer – allen voran Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten – die unzureichende Datensicherheit durch die enorme Zahl von Zugriffsberechtigten kritisieren, zeigt sich das Ministerium überzeugt von der Datensicherheit des Systems: Die Patientinnen und Patienten haben mit ELGA die volle Kontrolle über die Zugriffsrechte auf ihre Gesundheitsakte. Sie entscheiden
    selbst, wem sie wieviel Einsicht gewähren. Ein Zugriffsprotokoll hilft ihnen dabei, nachzuvollziehen, wer wann welche persönlichen
    Gesundheitsdaten abgerufen hat.

    „Die Kritik an der angeblich mangelnden Datensicherheit ist unsachlich und überzogen. Ich erinnere an die große Diskussion rund um die e-card-Einführung vor neun Jahren. Mittlerweile ist die e-card aus unserem Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken und die Schauermärchen von damals haben sich bis heute nicht erfüllt“, so Susanne Herbek, Geschäftsführerin der ELGA GmbH und selbst Ärztin, abschließend.

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    Quellen:

    Österreichischer Hausärzteverband (ÖHV)
    ELGA GmbH

    Linktipps:









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