Hoffnung für Hepatitis-Erkrankte: Bessere Früherkennung und optimierte Therapien helfen

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„Hepatitis eliminieren!“ – das ist das Motto des Welt-Hepatitis-Tages 2017. Ziel von Ärzten und Wissenschaftlern ist es, dass bis 2030 die Virus-Infektionen mit Hepatitis B und C drastisch eingedämmt werden. Und das ist auch notwendig, denn Infektionen mit dem Hepatitis A- und B-Virus nehmen stark zu. Wurden 2001 in Österreich offiziell beim Bundesministerium für Gesundheit noch 133 Hepatitis A und 210 Hepatitis B Fälle gemeldet, waren es 2008 bereits 142 Hepatitis A und 783 Hepatitis B Fälle! Vor allem Hepatitis A nimmt derzeit stark zu, seit Anfang des Jahres wurden in Österreich bereits 117 Erkrankungen gemeldet, in den vergangenen Jahren waren es im selben Zeitraum jeweils etwa 30. Ein Problem stellt dabei die Einschleppung von Hepatitis A nach Auslandsurlauben dar. Hepatitis B wiederum wird vor allem über ungeschützten Sexualverkehr übertragen. Doch nach wie vor unterschätzen Österreicher das Thema Hepatitis.

“In Österreich gehen wir derzeit noch immer von ca. 20.000 bis 40.000 Hepatitis C (HCV) Betroffenen aus. Weltweit sind es rund 180 Millionen Menschen, von denen wir wissen, dass sie infiziert sind. Die Dunkelziffer kann wesentlich höher liegen. Hepatitis B (HBV) ist eine der größten Infektionserkrankungen weltweit, ca. 380 Millionen Menschen leiden daran”, geht Widhalm auf die Brisanz der Situation ein. “Und das, obwohl es etwa gegen Hepatitis B eine sehr effektive Prophylaxe (Schutzimpfung Kombination Hepatitis A+B) gibt”, fügt Martin Prais, Generalsekretär der HHÖ, hinzu.

Mit Vorbeugung, Impfungen und Medikamenten wird Leber-Erkrankungen der Kampf angesagt

Auch in Deutschland sind Hunderttausende von diesen Erkrankungen betroffen. „Um diese gefährliche Infektionskrankheit der Leber wenigstens einzudämmen, ist einerseits Prävention sehr wichtig. Andererseits ist es unverzichtbar, Erkrankte rechtzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln“, betont Prof. Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie an der Klinik für Gastroenterologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Leipzig. Dafür müssen die Betroffenen in einem möglichst frühen Krankheitsstadium gefunden werden. Denn eine Hepatitisvirus-Infektion spürt man lange nicht. Auch die typischen Gelbfärbungen von Haut und Augen bleiben oft aus. Weitere Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Gelenkbeschwerden sind eher unspezifisch, so der Leipziger Leber-Experte.

Während Hepatitis C durch neue Medikamente sogar heilbar ist, kann bei Hepatitis B nur von guter Behandelbarkeit gesprochen werden. „Betroffene müssen meist ein Leben lang Medikamente nehmen“, sagt Prof. Berg. Der Grund: „Das Virus kann nicht vernichtet werden, weil es sich im Zellkern der Leberzelle verkapselt und dadurch dem Angriff vieler Medikament entgeht. Damit kann es wieder aktiv werden, wenn die medikamentöse Therapie abgebrochen würde.“

Zwar gibt es gegen Hepatitis B seit 1995 eine sehr effektive Impfung, mit der Kinder ihr Leben lang von der Infektion geschützt werden können. Aber alle, die vor diesem Zeitpunkt geboren wurden, sind meist ungeschützt. Das Virus ist hoch-infektiös, und man holt es sich relativ schnell, wenn Vorsicht außer Acht gelassen wird, denn das Virus wird auch sexuell übertragen. Die Übertagung von der Mutter auf das Kind während der Geburt stellt eine weitere wichtige Übertragungsquelle dar und hat dazu geführt, dass in manchen Ländern bis zu zehn Prozent der Bevölkerung infiziert sind.

Das Hepatitis C-Virus wird ebenfalls nur durch Blut-Blut Kontakte übertragen, jedoch seltener durch Geschlechtsverkehr, da es weniger „ansteckend“ ist als das Hepatitis B Virus. Das schränkt die Zahl der Risikopersonen ein. Seit 2014 gibt es sehr erfolgreiche und gut verträgliche Behandlungsmöglichkeiten, mit welchen bereits nach acht bis zwölf Wochen Therapie die Virusinfektion in nahezu allen Fällen ausgeheilt werden kann. Allerdings kann man sich immer wieder neu anstecken.

„Hepatitis C könnte man relativ schnell eliminieren“, so Prof. Berg. „Es müssten nur alle Menschen getestet und alle Infizierten sofort behandelt werden – dann wäre die Krankheit besiegt. So einfach geht das aber nicht. Erstens können wir uns es nicht leisten, alle Menschen in Deutschland auf Hepatitis C zu testen. Zweitens leben wir nicht in einem abgeschotteten Land – über Tourismus und Migration können auch Hepatitis C-Viren reisen. Deshalb ist es eine europäische Idee, in bestimmten gesellschaftlichen Mikrokosmen, in welchen die Rate der Infektionen besonders hoch ist, beispielsweise bei Drogenabhängigen, Homosexuellen oder Gefängnisinsassen, aktiv zu werden.

Außerdem gibt es Vorschläge, beispielsweise im Rahmen der Gesundheitsvorsorgeuntersuchung Checkup-35 bei bestimmten Risikokonstellationen oder wenn erhöhte Leberwerte vorliegen auf Hepatitis C- zu testen. Leider gibt es jedoch bis heute keine verbindliche Strategie der deutschen Politik. Dafür gibt es aber leidenschaftliche Bemühungen von Ärzten, die europäischen Vorstellungen umzusetzen. Ich empfehle zudem allen, in unserem Land und erst recht im Ausland stets Vorsorge zu treffen, dass keine Hepatitis-Viren in den eigenen Körper gelangen.“

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Quelle:

– Presseaussendung des Universitätsklinikums Leipzig
– Hepatitis A in Europa und Österreich (AGES)

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