Morbus Crohn und Colitis ulcerose – neue Erkenntnisse

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    Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören zu den entzündlichen Darmerkrankungen. Beide Krankheitsbilder unterscheiden sich durch den Ort und das Ausmaß des Auftretens des Krankheitsbildes. Je früher beide Erkrankungen diagnostiziert und behandelt werden, desto eher kann eine entsprechende Therapie greifen, die auch maßgeblich die Lebensqualität der Betroffenen steigert.

Wissen über Darmgesundheit in der Bevölkerung: nach wie vor Nachholbedarf

Das Wissen der heimischen Bevölkerung zur Darmgesundheit ist bis dato gering. Das ist insofern besorgniserregend, als die Österreicher – hätten sie mehr Wissen um die Bedeutung des Darms – selbst viele Maßnahmen im Sinne eines gesunden Körpers treffen könnten. Dennoch sind beide entzündlichen Darmerkrankungen heute einer breiteren Bevölkerungsschicht bekannt als noch 2006, wie eine aktuelle IMAS Umfrage bestätigt. Doch Kennen allein ist noch kein echtes Wissen: nur 77% der Markus Crohn „Kenner“ und 79% der Colitis ulverose „Kenner“ wissen, dass bei diesen Krankheiten der Darm betroffen ist. Dennoch: Im Vergleich haben beide Krankheiten – insbesondere Morbus Crohn – an Bekanntheit gewonnen und auch das Wissen darüber wurde besser. Frauen, Personen über 50 Jahre und Angehörige von höheren Bildungsschichten (Matura, Universität) haben von beiden Darmerkrankungen vergleichsweise häufiger gehört und sich auch häufiger darüber informiert.

Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronische – zumeist schubweise auftretende – Entzündung, die nicht nur die Darmschleimhaut, sondern alle Schichten der Darmwand betrifft, und die auch auf weitere Bereiche des Magen-Darm Traktes übergreifen kann. Symptome sind krampfartige Schmerzen und Durchfall. Die erhöhte Anzahl von Erkrankungen in der Familie deutet auf eine genetische Disposition für Morbus Crohn hin, aber auch Rauchen, Stress und die Ernährungsweise haben Einfluss. Die genaue Entstehung von Morbus Crohn ist allerdings noch nicht geklärt.

Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut, wobei sich im Verlauf der Krankheit Geschwüre in der Darmschleimhaut bilden können. Betroffene von Colitis ulcerosa haben ein erhöhtes Risiko an Darmkrebs zu erkranken. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch krampfartige Schmerzen und häufigen Durchfall mit Blut im Stuhl und verläuft schubhaft – eine Heilung ist nicht möglich, sehr wohl aber eine Verbesserung der Lebensumstände.

Verbreitung in Österreich

In Österreich leiden zirka 40.000 Menschen unter einer chronisch-entzündlichen Darmkrankheit (CED) wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Die Patienten leiden unter Durchfall, Bauchschmerzen und Darmkomplikationen, die zu Darmverlust führen können. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind nicht ansteckend, ihre Ursachen sind primär genetisch, aber Umwelteinflüsse spielen eine große Rolle im Entstehen und beim Krankheitsverlauf. Beide Erkrankungen sind nicht heilbar, aber abheilbar. Die Zahl der Erkrankungen steigt stetig, zunehmend bei jungen Menschen im Alter von 15 bis 40 Jahren, an. Späte Diagnosen und unzureichende Therapien verringern die Erfolgschancen einer umfassenden Behandelbarkeit (vollständige Remission) und erhöhen zusätzlich das Risiko von Komplikationen wie Engstellen, Abszessen oder (partiellem) Darmverlust. Dennoch können Betroffene durch entsprechende Therapien mit Immunsuppressiva und Biologika (Antikörper) zunehmend komplikations- und beschwerdefreie Phasen erleben.

Gesundheit beginnt im Darm

Die intensive Forschung der vergangenen Jahre gibt dem weit verbreiteten Sprichwort „Gesundheit beginnt im Darm“ neuerlichen Auftrieb. Ausschlaggebend dafür sind die gewonnenen Erkenntnisse zur Mikrobiota, auch bekannt unter dem Begriff der Darmflora. Diese trägt entscheidend zur Erhaltung des Immunsystems, der Verdauung und Stuhlregulierung sowie der Abwehr von Krankheitserregern und dem Abbau von Giftstoffen bei und kann sogar Auswirkungen auf rheumatische Erkrankungen und einige Tumorarten haben. Nachhaltige Veränderungen im Stoffwechsel- und Energiehaushalt werden ebenfalls zunehmend als Folge einer gestörten Darmflora vermutet, wodurch eine Assoziation mit Adipositas und Erkrankungen des metabolischen Syndroms wie etwa Diabetes immer wahrscheinlicher werden.

Bewusste Ernährung als Voraussetzung für einen gesunden Darm

Die Mikrobiota kann durch die Einnahme von Medikamenten und unausgeglichene Lebensstilfaktoren (Ernährung, Stress, Bewegungsmangel, übertriebene/zuwenig Hygiene etc.) aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten jedes Individuums bilden somit einen entscheidenden Einflussfaktor auf das Gleichgewicht der individuellen Darmflora. Essentiell für eine gesunde Darmflora ist die Einhaltung gewisser Ernährungsgrundregeln: Zunächst ist auf eine abwechslungsreiche Ernährung zu achten um die Diversität der Darmbakterien zu bewahren. Der Naturbelassenheit der verwendeten Produkte kommt dabei zwecks Vermeidung negativer Einflüsse durch Zusatzstoffen eine ebenso große Bedeutung zu wie der Saisonalität bzw. der Regionalität, um etwa Pestizidbelastungen zu reduzieren.

Eine ausgewogene Zusammenstellung der Lebensmittel ist essentiell

Bei der Zusammenstellung der Lebensmittelauswahl sollten pflanzliche Nahrungsmittel wie Vollkorngetreide, Obst, Gemüse aber auch Hülsenfrüchte die Basis stellen. Die in diesen Lebensmitteln reichlich enthaltenen, unverdaulichen Pflanzenstoffe (meist Ballaststoffe) stellen die Grundnahrung der Darmbakterien dar. Zusätzlich soll Lieferanten von Milchsäurebakterien, diese sind etwa in probiotischen Milchprodukten oder Sauerkraut enthalten, sowie frische Kräuter und Gewürze (Chili, Ingwer, Anis, Koriander, Kreuzkümmel, Kurkuma, Basilikum etc.) aufgrund ihrer antibakteriellen und antikanzerogenen Wirkungen auf jedem ausgewogenen Ernährungsplan stehen. Ein moderater Konsum von tierischer Nahrung – vorzugsweise Fisch – und hochwertigen Pflanzenölen sowie ein bewusst geringer Verzehr von Zucker und anderen Süßungsmitteln, tierischen Fetten und Alkohol runden eine darmgesunde Ernährung ab.

Leben mit CEDs

Zunächst ist eine gesunde Lebensweise die beste Prophylaxe für CEDs, aber da es auch eine genetische Disposition gibt, ist niemand vor diesen Krankheiten gefeit. CEDs bleiben zudem manchmal jahrelang unerkannt und Betroffene werden mit ihren Symptomen („Bauchzwicken“) meist lange nicht ernst genommen. Auch nach Erhalt der Diagnose wissen Morbus Crohn- und Colitis ulcerosa- Patienten anfangs oft nicht, was auf sie zu kommt. Doch mit einer diagnostizierten chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zu leben bedeutet für Betroffene, dass der Gedanke an eine prompt verfügbare Toilette allgegenwärtig ist. Ein „normales Leben“ scheint somit schwierig und die soziale Isolation kann eine Folge von CEDs sein. Eine Enttabuisierung und verstärktes Wissen um die Krankheiten in der breiten Bevölkerung würde zu einer breiteren Akzeptanz führen und ein Miteinander erleichtern.