Neue Ernährungs­richtlinien zur Prävention von Übergewicht bei Kindern

Ernährung & Fitness

Das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) und der Österreichische Herzfonds Präventionsprogramme aus europäischen Ländern vor, die dazu geeignet sind, den rasanten Anstieg von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu stoppen und Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall (kardiovaskulären Erkrankungen) zu reduzieren. Päsentiert wurden ebnefalls Rezepte für gesundheitsfördernde Mahlzeiten, die ab sofort über die Onlineplattformen des ÖAIE abrufbar sind.

Die rasante Zunahme von Übergewicht und Fettsucht – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – ist laut WHO die größte gesundheitspolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts und verursacht zunehmend Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und eine Vielzahl weiterer schwerer Erkrankungen. „Um diesen Trend nachhaltig zu stoppen, ist es notwendig, bereits bei Kindern und Jugendlichen mit kombinierten Interventionen anzusetzen“, sagte Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE. „Diese müssen Bewegung und Ernährung gleichermaßen beinhalten und Erziehungsberechtigte wie auch das Umfeld der Kinder miteinbeziehen.“

Prävention und ganzheitlicher Ansatz – Europäische Programme im Vergleich

Wirksame Programme gibt es u.a. bereits in Frankreich, Spanien und Italien. Das gemeinschaftsorientierte französische Projekt EPODE zielt auf die Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Umgebung für Kinder ab und bezieht Politik, Wirtschaft sowie öffentliches und privates Umfeld der Kinder mit ein. Mittlerweile hat sich das bereits seit 2004 laufende Programm in 500 Gemeinden und 6 Regionen etabliert. Neben der Prävention von Übergewicht und Adipositas konnte EPODE auch dazu beitragen, effektiv sozioökonomisch bedingte Gesundheitsprobleme zu verringern.

In Spanien und Italien – zwei Mittelmeerländer mit einer sehr hohen Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher von 23 bzw. 24 Prozent – laufen aktuelle Programme sehr erfolgreich, die Bewegung und gesundes Essverhalten bei Kindern und Jugendlichen gleichermaßen fördern. Insbesondere Italien ist durch Kooperationen mit der WHO, die Entwicklung von wissenschaftlich fundierten Ernährungspraktiken für Babys und Kleinkinder und die Planung politischer Maßnahmen auf vielen Ebenen sehr aktiv. So denkt das italienische Gesundheitsministerium u.a. die Besteuerung von gezuckerten Getränken und die politische Kontrolle von Fernsehwerbung an und plant verpflichtende klare Informationen auf Verpackungen von Lebensmitteln in Kombination mit der Bewerbung eines gesunden Ernährungs- und Bewegungsverhaltens.

ÖAIE-Kritik: Politik bei Umsetzung von Präventionsmaßnahmen säumig

In Österreich startete das ÖAIE im Jahr 2013 mit dem Ernährungs- und Bewegungsprogramm EDDY zur Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Wiener Jugendlichen, aktuell ist das Folgeprojekt EDDY Young an Wiener Volksschulen am Laufen. Durch wissenschaftlich fundierte Ernährungsschulungen und Bewegungseinheiten konnten nachweislich sowohl das Ernährungswissen als auch das Ernährungsverhalten der Kinder und Jugendlichen verbessert werden.

Als idealer Beginn für Interventionen kristallisierte sich die Altersstufe der 8- bis 9-Jährigen heraus, wo an Wiener Volksschulen sowohl die Zahl der Übergewichtigen (18 Prozent) und insbesondere Adipösen (19,7 Prozent), aber auch die der Untergewichtigen (5,5 Prozent) besorgniserregend hoch ist.

Von der Entwicklung eines nationalen Präventionsprogramms ist Österreich jedoch noch weit entfernt, obwohl dieses dringend notwendig wäre. „Leider ist vor allem die Primärprävention nach wie vor ein Stiefkind in der öffentlichen Akzeptanz und der gesundheitspolitischen Realität“, sagte Prim. Univ.-Prof. Dr. Otmar Pachinger, Präsident des Österreichischen Herzfonds. „Wir befinden uns in einer Situation, die uns in Zukunft mehr Herzkreislauferkrankungen bescheren, die Lebenserwartung reduzieren und das Gesundheitsbudget strapazieren wird,“ so Pachinger. ÖAIE und Herzfonds forderten daher von den gesundheitspolitisch Verantwortlichen in Österreich ein klares Bekenntnis zur Prävention und die rasche Umsetzung wirksamer Maßnahmen nach Vorbild des EDDY Projekts und anderer erfolgreicher europäischer Präventionsprogramme.

Neue Empfehlungen

Im Rahmen der Pressekonferenz präsentierte das ÖAIE auch neue wissenschaftliche Ernährungsrichtlinien, die Lebensmittel und deren Wirkung auf den Körper erstmals ganzheitlich betrachten und sie in gesundheitsfördernd und gesundheitsschädlich unterteilen. „Um kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Übergewicht und Diabetes Mellitus vorzubeugen, sollen vermehrt Obst, Gemüse, Nüsse, Joghurt, Fisch und Vollkornprodukte gegessen werden“, erläuterte Widhalm die Empfehlungen dieser Studie. „Raffiniertes Getreide, Stärke, Zucker und Salz sollen hingegen ebenso gemieden werden wie verarbeitetes Fleisch, Wurst und Fertiggerichte.“

Auf Basis dieser Ernährungsrichtlinien demonstrierte das ÖAIE im Rahmen eines Show-Cookings gesundheitsfördernde Mahlzeiten für unterschiedliche Altersstufen und Lebensstile, die schnell und kostengünstig zubereitbar sind. Videos und Rezepte dazu stellt das ÖAIE ab sofort auf seinen Onlineplattformen zur Verfügung. Informationen und weiterführende Links unter: www.oeaie.org.

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Quelle:

Foodwatch-Studie Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin

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