Schmerzpatienten besser verstehen

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Schmerz – jeder empfindet und beschreibt ihn anders. Er hat viele Ursachen und verschiedenste Erscheinungsformen und Ausprägungen. Laut Wikipedia ist Schmerz eine „komplexe subjektive Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist“. Schmerzempfinden wird im Gehirn bewertet, dort wird entschieden, was wichtig ist und was nicht. Die Schmerzbeschreibung ist für Patienten aber oftmals schwierig, dabei ist gerade sie enorm wichtig, führt sie doch schneller zur richtigen Diagnose und optimalen Therapie.

Neue Initiative „my pain feels like…“ hilft, dass Arzt und Patient die gleiche Sprache sprechen

In der Intensität reicht Schmerz von unangenehm bis unerträglich. Chronifizierter Schmerz hat allerdings seinen ursprünglichen Charakter des Warnsignales verloren und wird heute als eigenständiges Krankheitsbild (Chronisches Schmerzsyndrom) gesehen und behandelt. Jeder 5. Österreicher leidet ständig unter starken Schmerzen. Das bedeutet nicht nur einen Verlust an Lebensqualität für die Betroffenen, sondern auch Gesundheitskosten im Ausmaß von jährlich zwischen 1,4 und 1,8 Milliarden Euro – eine gewaltige Summe, die mit entsprechenden Maßnahmen verringert werden könnte.

Um die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten zu verbessern, wurde die internationale Initiative „my pain feels like…” von Grünenthal, einem der führenden Anbieter innovativer Schmerztherapien, in Zusammenarbeit mit der italienischen Montescano Pain School, ins Leben gerufen. Das Programm wurde 2014 auch im europäischen Parlament vorgestellt. Der Hintergrund: Die Chance, eine frühe und richtige Diagnose zu stellen und eine erfolgreiche Behandlung einzuleiten, ist weitaus höher, wenn Arzt und Patient die gleiche Sprache sprechen und der Schmerz mit den gleichen Worten beschrieben wird. Die internationale Initiative unterstützt nun auch Österreichs Ärzte dabei, den Schmerz ihrer Patienten besser zu verstehen.

Unterschiedliches Schmerzverständnis

Das Schmerzempfinden ist so individuell wie jeder einzelne Patient. Zusätzlich erschwert eine unterschiedliche Wortwahl die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Grünenthal hat nun die Initiative „my pain feels like…“ ins Leben gerufen, deren Kernstück die Internetseite www.mypainfeelslike.at mit einem wertvollen Online-Fragebogen ist, bei dem Betroffene ihre Schmerzen beschreiben. Dieser Fragebogen soll die Kommunikation zwischen Patient und Arzt verbessern. Denn wenn Arzt und Patient die gleiche Sprache sprechen, ist die Chance deutlich höher, schneller zur richtigen Diagnose und optimalen Therapie zu finden.

Schmerz kann in vielen verschiedenen Formen auftreten und Menschen in unterschiedlichster Art und Weise beeinträchtigen. Mit ca. 26 Millionen Betroffenen weltweit ist neuropathischer Schmerz (Nervenschmerz) eine Krankheit, unter der besonders viele Menschen leiden. Dieser Schmerz ist sehr vielfältig, sehr schnell, oft in seiner Stärke schwer beherrschbar und daher besonders schwierig zu behandeln. Lediglich bei 40 bis 60 Prozent der Patienten gelingt es, eine angemessene Reduktion ihrer Schmerzen zu erreichen.

Babylonische Sprachverwirrung wenn’s um „Schmerz“ geht

Häufig ist mangelnde Kommunikation zwischen Arzt und Patient der Grund für die unzureichende Schmerzlinderung. Denn viele Betroffene haben Schwierigkeiten, ihren Schmerz in Worte zu fassen und ihr Empfinden detailliert zu beschreiben. Während Patienten ihre Schmerzen in einer sehr bildhaften Sprache darstellen – z.B. als ein oberflächliches unerträgliches Stechen mit heißen Stricknadeln, ein Messerschnitt oder ein Feuer unter der Haut – sind Ärzte auch aufgrund ihrer Ausbildung eher mit fachlichen Ausdrücken wie brennend, stechend, einschießend, Allodynie und Hyperalgesie vertraut.

Eine Fehleinschätzung des Beeinträchtigungsausmaßes ist damit häufig vorprogrammiert: In 80 Prozent der Fälle über- oder unterschätzen Ärzte die Erkrankung3! „Es ist für Patienten oft schwierig, in der Kürze des Arztgesprächs die treffenden Worte zu finden, um den eigenen Schmerz ausreichend zu beschreiben. Patienten fühlen sich daher sehr häufig von ihren behandelnden Ärzten nicht ernst genommen oder unverstanden“, weiß Dkfm. Erika Folkes von der „Allianz Chronischer Schmerz Österreich“, der Vereinigung einschlägiger Selbsthilfegruppen und damit Sprachrohr der österreichischen Schmerzpatienten.

Verstehen, wie sich Schmerzpatienten fühlen

Auch Dr. Gottfried Thalhammer, Allgemeinmediziner in Rohrbach an der Lafnitz, weiß wovon er spricht: „Ich war selbst Schmerzpatient und habe durch einen Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelirritation den neuropathischen Schmerz erlebt. Dabei hatte ich das Gefühl, ich kann den Schmerz beschreiben, er wird vom Arzt auch wahrgenommen, aber nicht wirklich verstanden.“ Der Lehrbeauftragte an der Medizinischen Universität Graz erklärt, warum die Arzt-Patienten-Kommunikation nicht ideal funktioniert: „Als Arzt verlässt man sich vermehrt auf die Bildgebung. Der Blick fällt weniger darauf, wie der Patient empfindet und wie sich der Schmerz individuell auswirkt. Davon hängt aber ab, mit welchen Möglichkeiten er beeinflussbar ist!“

Bessere Kommunikation: Schneller zur richtigen Diagnose und optimalen Therapie

In Zusammenarbeit mit der italienischen Montescano Pain School entwickelte Grünenthal einen Fragebogen, der Patienten dabei helfen soll, detaillierter beschreiben zu können, wie sich ihr Schmerz anfühlt, wo genau er sich befindet und wie er sich auf das Alltagsleben auswirkt. Der einfach und rasch auszufüllende Online-Fragebogen ist auf der Internetseite von „mypainfeelslike.at“ einfach abrufbar. „Der Fragebogen ist ein guter Weg, um die Arzt-Patienten-Kommunikation zu verbessern, da der Patient seine Schmerzen mit seinen Worten ausdrücken kann und anschließend eine fachsprachliche Übersetzung erhält“, so Thalhammer. Das individuelle Ergebnis kann vom Patienten ausgedruckt beim nächsten Arzttermin mitgebracht und gemeinsam besprochen werden. So entsteht ein klares Bild der Erkrankung, die richtige Diagnose kann früh gestellt und die optimale Therapie eher gewählt werden.

„In der Versorgung von Schmerzpatienten steht die Arzt-Patienten-Kommunikation an zentraler Stelle. Sie ist extrem wichtig für den Erfolg der Behandlung und deshalb unterstützt Grünenthal ihre Verbesserung auf allen Wegen, die uns zur Verfügung stehen. Um die Interaktion zwischen Arzt und Patienten zu fördern, versuchen wir auch entsprechende Instrumente, wie eben den Schmerzfragebogen, bereit zu stellen“, erklärt Norbert van Rooij, Geschäftsführer von Grünenthal.D er Fragebogen steht seit kurzem online unter www.mypainfeelslike.at zur Verfügung und kann mit minimalem Zeitaufwand ausgefüllt und anschließend ausgedruckt werden.

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