Stabileres Knie dank verbesserter OP-Technik

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Ein Riss des vorderen Kreuzbandes gilt schon aufgrund seiner Häufigkeit und Komplikationsgefahr als schwere Verletzung. Ein Riss des hinteren Kreuzbandes wird hingegen bisweilen übersehen, da diese Läsion lange Zeit als eher selten auftretend eingestuft wurde. Diese Annahme konnte aber in letzter Zeit widerlegt werden. Wie man jetzt weiß, ist das hintere Kreuzband bei nahezu 40% aller schweren Knieverletzungen mit betroffen.

„Zusätzlich steigt mit den zunehmenden sportlichen Freizeitaktivitäten eben auch die Anzahl der komplexen Knieverletzungen“, berichtet Orthopäde und Unfallchirurg, Prim. Doz. Dr. Thomas Müllner, Leiter der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Evangelischen Krankenhaus-Wien.

Das hintere Kreuzband im Kniegelenk stellt die wichtige Verbindung zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein dar und ist ein ganz wesentlicher Stabilisator fürs Knie. Wird es verletzt, entsteht zumeist ein Bluterguss und das Schienbein ist gegenüber dem Oberschenkel nach hinten verschoben. Betroffene klagen über Schmerzen und können das Bein beim Gehen nicht mehr voll ausstrecken. Dazu kommt das Gefühl, beim Auftreten zu wenig Halt zu haben.

Wie wird ein Riss des hinteren Kreuzbands festgestellt?

Ob tatsächlich ein Riss des hinteren Kreuzbandes vorliegt, wird anhand einer klinischen Untersuchung festgestellt und mit einer Kernspin-Tomographie (MRT) bestätigt. Diese MRT Untersuchung liefert auch Aufschluss über allfällige Begleitverletzungen, was wiederum für die Auswahl der Behandlungsmethode entscheidend ist.
Ist nur das hintere Kreuzband betroffen, hält sich die Instabilität in Grenzen und sind keine verschobenen, knöchernen Ausrisse feststellbar, reicht oft das Anlegen einer PTS-Schiene für 5-6 Wochen. Hilfreich sind begleitende physiotherapeutische Übungen zur Kräftigung der Oberschenkel-Muskulatur.

Wann operieren?

Dazu Unfallchirurg und Sporttraumatologe, Univ.Prof.Dr.Rudolf Schabus: „Sind neben einem Riss des hinteren Kreuzbandes auch seitliche und mittlere, hintere Kapselbandstrukturen beschädigt, wird – je nach Schwere und Lokalisation – eine Bandrekonstruktion geplant. Die anatomische Wiederherstellung des hinteren Kreuzbandes wird dabei mittels körpereigenen Sehnengewebes durchgeführt. Zusätzliche Rekonstruktionen der Stabilität in den hinteren, mittleren oder seitlichen Kapselecken werden mittels Sehnenschlingen erreicht.“

„Bei solchen Kombinationsverletzungen dient ein operativer Eingriff nicht nur zur Herstellung der Stabilität, sondern auch zur Vorbeugung von Folgeschäden“, erläutert Prim. Müllner. Als besonders effizient hat sich dafür die relativ neue „All Inside-Technik“ erwiesen, die eine neue Verankerungsmethode und eine spezielle Bohrrichtung die Heilung beschleunigt und Folgeverletzungen vorbeugt.

Anatomie Knie

Neue OP-Methode verspricht Patienten große Vorteile

Durch die neue OP-Technik entsteht ein dickeres Sehnentransplantat, das das wiederhergestellte Kreuzband deutlich stabiler macht. Dadurch ist einerseits eine bessere Trittfestigkeit gegeben, andererseits ist der Patient damit nach dem Eingriff auch rascher wieder mobilisierbar.

Um in der ersten postoperativen Phase das Transplantat zu beschützen, besteht die Möglichkeit des Internal Bracings. „Dabei wird zum Sehnentransplantat ein so genanntes Fiber Tape dazugelegt. Dieses Tape übernimmt in der ersten Zeit die Belastungen, es beschützt also gleichsam das neue Kreuzband, bis es eingeheilt ist“, erläutert Prim. Müllner. Damit, so der Experte, ist eine postoperative Mobilisierung ohne Verwendung von Schienen möglich.

Nachbehandlung extrem wichtig

„Bei aller Vorteile der neuen arthroskopischen Techniken- man sollte niemals die Biologie des Einheilens eines Transplantates und die Rehabilitation der Gelenksfunktion durch intensive Physiotherapie außer Acht lassen. Denn auch davon hängt es in hohem Maße ab, ob das Knie des Hobby- oder Berufssportlers nach dem Eingriff irgendwann wieder ebenso leistungsfähig ist wie vor seiner Verletzung“, hebt Prof. Schabus hervor.

Linktipps:

  • Kreuzband-OP mittels Doppelbündel-Technik | Evangelisches Krankenhaus Wien
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  • Die Rekonstruktion des hinteren Kreuzbandes – Operationstechnik
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