Zika-Virus – die neue, alte Gefahr

Politik & Forschung

Ein bisher wenig beachtetes Virus breitet sich aktuell in Südamerika aus. Das Zika-Virus wird für Schädelfehlbildungen bei Kindern verantwortlich gemacht. Brasilianische Behörden haben den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Schwangere werden vor Tropenreisen gewarnt.

Zusammenhang mit Fällen von Mikrozephalie vermutet

Anfang dieses Jahres kam es im brasilianischen Bundesstaat Bahia zum Ausbruch einer grippeartigen Erkrankung mit Hautausschlag, Juckreiz und unklaren Schmerzen bei ca. 500 Einheimischen. Zunächst dachte man an bekannte Tropenkrankheiten wie Chikungunya- oder Denguefieber. Alle diesbezüglichen Testes waren jedoch negativ. Überraschenderweise wurde im Verlauf dieser Epidemie von den Gesundheitsbehörden das bereits länger bekannte, aber bisher eher als harmlos eingestufte Zikavirus nachgewiesen.

Bei den Symptomen der Infektion handelt es sich um leichtes Fieber, vorübergehende Gelenkschmerzen und -schwellungen, einen makulopapulösen Ausschlag, der sich vom Gesicht auf den Körper ausbreitet, nicht-eitrige Bindehautentzündung sowie unspezifische Symptome wie Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen. Mit steigenden Erkrankungszahlen wurden Fälle von entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems (Guillain-Barré Syndrom) mit dem Virus in Verbindung gebracht.

Auch asymptomatische Verläufe sind häufig. Die Inkubationszeit beträgt drei bis zwölf Tage, die Erkrankungsdauer zwei bis sieben Tage. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt über Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Muttermilch).

„Nun zeigte sich ein deutlicher Anstieg an Fehlbildungen bei Neugeborenen in der Region. Diese werden mit der Erkrankung der Mutter durch Zikaviren in der Schwangerschaft in Zusammenhang gebracht“, erklärt Dr. Marton Széll, Facharzt für Infektiologie und Tropenmedizin und Leiter der Tropenordination Wien Mitte.

Es handelt sich um Fälle von Mikrozephalie, einer massiven Verkleinerung des kindlichen Schädels, die fast immer zu geistigen Beeinträchtigungen führt. Allein in diesem Jahr traten 1.248 Fälle mit Mikrozephalie in 311 brasilianischen Städten auf.

Von Afrika nach Amerika

„Das Zika-Virus erstmals 1947 in Uganda nachgewiesen und wird durch Stechmücken übertragen. Es gehört zur Familie der Flaviviren, ist somit ein naher Verwandter des FSME -Virus, des Dengue-Virus und des Gelbfiebervirus“, erklärt Széll. Bei den Überträgermücken handelt sich vor allem um Aedes aegypti, aber auch Aedes albopictus und vermutlich Aedes hensilii. Diese Mücken sind – anders als die Malaria-übertragenden Anopheles-Mücken – tagaktiv.

„Infektionen durch Zika-Viren sind eigentlich schon länger bekannt“, erzählt der Tropenmediziner. „Sie schienen zunächst auf Afrika begrenzt zu sein. In den 70er und 80er Jahren wurden Zikaviren auch in Südostasien nachgewiesen. Stets waren aber die beobachteten Ausbrüche klein und verliefen daher ohne viel Beachtung der Medien. Dies änderte sich 2007, als es auf der Insel Yap (Mikronesien) zu einem großen Ausbruch unter der Bevölkerung kam. Unter den 108 Erkrankten kam es allerdings ebenfalls nur zu milden Krankheitsverläufen: Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Ausschlag. Alle Erkrankten waren nach einer Woche wieder gesund, es gab keine Komplikationen.“ Doch dann wurden plötzlich immer mehr Fälle am amerikanischen Kontinent, nämlich in Mittel- und Südamerika, festgestellt.

„Wie das Virus nach Brasilien kam, ist unklar“, so Széll. „Von den Brasilianischen Gesundheitsbehörden wird ein Zusammenhang mit der Fußball-WM 2014 vermutet: Ein Erkrankter aus Asien oder Afrika dürfte als Besucher der WM das Virus mitgebracht haben.“ Beweise für diese Theorie gibt es bislang jedoch nicht.

Aktuell hat sich das Zikavirus sehr rasch ausgebreitet, neben mehreren Brasilianischen Bundesstaaten wurden erste Krankheitsfälle auch schon in Chile, Kolumbien, El Salvador, Guatemala, Mexiko und Venezuela diagnostiziert. Aktuell hat Brasilien den Gesundheitsnotstand ausgerufen und die Gesundheitsämter angewiesen, besondere Vorbeuge-, Dokumentations- und Aufklärungsmaßnahmen zu treffen. Diese umfassen die Bekämpfung von Mücken, Gesundheitsfürsorge für Patienten sowie Schulungen und medizinische Forschung.

Einziger Schutz: Expositionsprophylaxe

Im Moment besteht wenig Hoffnung, die Ausbreitung des Virus kurzfristig zu stoppen. Das liegt auch daran, dass die Überträgermücken in jeder Wasserlacke brüten können. An Strategien zur Eindämmung der Infektion wird – nicht nur in Brasilien – fieberhaft gearbeitet. Szélls Rat an Reisende: „Sollte es auf der Reise in Lateinamerika oder danach zu einem fieberhaften Infekt kommen, sollte unbedingt – auch in Hinblick auf eine mögliche Malaria – eine rasche tropenmedizinische Abklärung erfolgen.“

Der Experte fügt hinzu: „Es gibt keine Impfung gegen diese Krankheit. Wir empfehlen für Reisende in die betroffene Region einen strikten Schutz vor Stechmücken, wie die Verwendung von tropentauglichen Repellentien, imprägnierter Kleidung und Moskitonetzen. Schwangeren Frauen raten wir von Tropenreisen generell – und im Speziellen in die betroffene Gebiete – ab.“

(Dr. Bernadette Grohmann-Németh)

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Quellen:

Die Tropenordination
Tropenmedizin Wien – Dr. Marton Széll

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