Covid-19: Hohe Mortalität bei Intensivpatienten

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Weltweit erleben Mediziner aktuell auf den Intensivstationen, wie unberechenbar Covid-19 verlaufen kann. Eine Prognose, ob ein Covid-19-Patient überleben wird, ist für Intensivmediziner lange nicht möglich.

Aktuell liegt die Sterblichkeit von Intensivpatienten in Österreich bei 20 bis 30 Prozent. Damit steht Österreich – etwa im Vergleich zur Schweiz, wo doppelt so viele Intensivpatienten an Covid-19 versterben – aufgrund einer guten Infrastruktur relativ gut da.

Erklärbar ist dieser Umsatand also nur durch die hohe Anzahl der verfügbaren Intensivbetten, denn in beiden Ländern sei das ökonomische und medizinische Niveau sehr hoch.

Auffallend ist aber insgesamt die hohe Mortalität bei Patienten mit mechanischer Beatmung.

Covid-19 hat unvorhersehbaren Verlauf

COVID-19 kann ganz unterschiedlich verlaufen. Während einige nur milde oder gar keine Symptome zeigen, ist bei anderen der Krankheitsverlauf so schwer, dass eine Krankenhauseinweisung notwendig ist. Einige Patienten müssen sogar auf die Intensivstation verlegt werden.

Genau für diese Patienten interessierte sich ein internationales Forscherteam genauer. Sie verfassten einen systematischen Review, um einen Überblick über die derzeitige Datenlage zu dieser Patientengruppe zu bekommen.

Systematischer Review von 69 093 COVID-19-Intensivpatientendaten

Um die Entwicklungen des Krankheitsverlaufes besser verstehen zu können, analysierten Wissenschaftler die Daten von 69 093 COVID-19-Patienten, die auf der Intensivstation lagen.

Die Wissenschaftler durchsuchten dabei systematisch verschiedene Datenbanken nach geeigneten Studien, die bis zum 15. August 2020 veröffentlicht wurden und von dem Krankheitsverlauf von Patienten, die aufgrund von COVID-19 auf die Intensivstation kamen, berichteten. Sie fanden 32 Studien, die Daten von 69 093 COVID-19-Patienten auf Intensivstation beinhalteten.

Diese systematische Überprüfung liefert relevante Daten zur Intensivauslastung einer großen Anzahl von Patienten mit COVID-19 in Zeiten knapper Ressourcen. Sie bietet eine einzigartige internationale Perspektive auf die verwendeten Interventionen und Ergebnisse bei Patienten mit COVID-19, für die eine Aufnahme auf die Intensivstation erforderlich ist.

Dadurch wird das aktuelle epidemiologische Wissen erweitert und möglicherweise nützliche Informationen für die Versorgung dieser Patienten bereitgestellt.

Hohe Mortalität bei Patienten mit mechanischer Beatmung

Bei der Analyse der Daten fiel den Wissenschaftlern auf, dass die meisten Patienten in den Studien männlich waren (59 %; 26 Studien). Die Patienten waren durchschnittlich 56 Jahre alt. Generell war die Sterberate der COVID-19-Patienten auf der Intensivstation hoch (32,3 %; 15 Studien).

Die Patienten verbrachten im Median 9,0 Tage auf der Intensivstation (5 Studien). Mehr als die Hälfte der Patienten, die auf die Intensivstation kamen, mussten mechanisch beatmet werden (58 %; 23 Studien) – für 8,4 Tage (Median). Bei diesen Patienten lag die Mortalität mit 59 % besonders hoch (6 Studien).

Die Interventionen, von denen am häufigsten berichtet wurden, waren nicht-invasive Beatmung, extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO), Nierenersatztherapie und Vasopressoren.

Patienten, die aufgrund von COVID-19 auf die Intensivstation kamen, blieben dort im Median 9 Tage.

Die Autoren weisen aselbst auf zahlreiche Einschränkungen bei der Beurteilung des reviews hin:

Erstens haben Studien aufgrund der Dringlichkeit der Veröffentlichung vorläufiger Informationen zu Patienten mit COVID-19 während der aktuellen Pandemie sehr heterogene Daten zu klinischen Merkmalen, verwendeten Interventionen und Ergebnissen von Intensivpatienten vorgelegt. Signifikante Unterschiede im Design der Studien trugen auch zum Mangel an spezifischen und zentralen klinischen Informationen in mehreren Berichten bei.

Außerdem sind die verfügbaren Daten aus Ländern mit niedrigem Einkommen aufgrund verschiedener Aspekte – einschließlich der zeitlichen und geografischen Entwicklung der Pandemie – begrenzt.

Dennoch verdeutlichen die Ergebnisse dieser Studie noch einmal, wie wichtig es ist, empfohlene Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um so Infektionen in Zeiten knapper Ressourcen zu verhindern.

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Quelle:

– Clinical course and outcomes of critically ill patients with COVID-19 infection: a systematic review (Serafim RB, Póvoa P, Souza-Dantas V, et al. Clin Microbiol Infect. 2020 Oct 23:S1198-743X(20)30648-0. Epub ahead of print) DOI: https://doi.org/10.1016/j.cmi.2020.10.017 PMID: 33190794
– Deutsches Gesundheits Portal (www.deutschesgesundheitsportal.de)

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