Impfung gegen Krebs – vielversprechende Studienergebnisse

Politik & Forschung

Zu vielversprechenden Ergebnissen kommen die Autoren einer internationalen Studie unter Federführung der Russischen Föderation. Erstmals wurde ein spezieller Anti-Krebs-DNA-Impfstoff, der bisher nur bei Nagetieren, Hunden und Katzen eingesetzt wurde auch bei menschlichen Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren eingesetzt. Dabei konnte eine signifikante Einbremsung des Krankheitsfortgangs bei etwa der Hälfte der Patienten beobachtet werden.

Krebserkrankungen: Tumor ist nicht gleich Tumor

Bei Krebserkrankungen wird im Allgemeinen zwischen soliden und nicht soliden Tumoren (Leukämie) unterschieden. Karzinome (aus Haut und Schleimhaut) und Sarkome (aus Knochen und Knorpel) gehören zu den soliden Tumoren (der „klassische“ Krebs), die an einem festen Platz im Körper sitzen. Je nach Lage und Größe kann ein solider Tumor unterschiedlich behandelt werden. Oft wird er operativ entfernt. Behandelbarkeit und Heilungschancen hängen stark von Art, Lage und Stadium des Tumors ab.

Behandlung solider Tumore

Aktuell werden solide bösartige Tumore grundsätzlich operativ entfernt und anschließend mit Chemo- oder Strahlentherapie oder einer Kombination aus beidem aus dem gesamten Organismus entfernt. Welche Option infrage kommt, wird immer individuell entschieden. Ausnahmen bilden Tumore, die ungünstig (etwa zu nah an der Aorta) liegen und bei denen damit ein operativer Eingriff ein zu hohes Risiko birgt.

Chemo- und Strahlentherapie sind nicht immer wirksam und die Nebenwirkungen sind zum Teil stark, deshalb wird seite Jahrzenten an neuen Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krebszellen geforscht. Der Ansatz, dies über Impfungen zu schaffen ist nicht neu, allerdings zunehmend vielversprechend. Vor allem dann, wenn Infektionen bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen, wie etwa bei Gebärmutterhalskrebs, für dessen Entstehung humane Papillomaviren (HPV) verantwortlich sind, gegen die heute aber eine Impfung zur Verfügung steht.

Bei einer Impfung handelt es sich um eine gezielte Stimulation des körpereigenen Immunsystems, um eine bestimmte Immunantwort zu provozieren. Dabei werden erregertypische Antigene (Stoffe, die eine Abwehrreaktion des Körpers hervorrufen) in hoher Dosis verabreicht, um das Immunsystem gegen den speziellen Erreger zu mobilisieren. A

Impfung gegen Krebs: Funktionsweise und Problematik

Dieser Systematik folgen auch therapeutische Impfstrategien bei Krebs: Durch die Verabreichung spezifischer Antigene des jeweiligen Tumors soll die körpereigene Abwehr veranlasst werden, ihre ganze Kraft auf die Tumorzellen zu richten und sie zu vernichten ohne dabei gesunde Zellen zu schädigen. Das Problem: Tumorzellen sind keine fremden Eindringlinge, sondern Zellen des eigenen Körpers, die deshalb normalerweise vom Immunsystem unbehelligt bleiben.

Daher ist Voraussetzung für eine solche Strategie, die entarteten, sich unkontrolliert teilenden Krebszellen zu erkennen. Sie müssen Antigene auf ihrer Oberfläche tragen, die sie von gesunden Körperzellen unterscheiden.

P62 Anti-Krebs-DNA-Impfstoff (Elenagen™) zeigt vielversprechende Wirkung

Elenagen ist eine neuartige Impfung gegen Krebs, bei der sich zwei Wirkungsweisen ergänzen. Einerseits wird die körpereigene Abwehr durch Einbringen von künstlich hergestellter DNA (menschliches Erbgut) ausgelöst und andererseits werden chronische Entzündungen im Körper gelindert. In früheren Untersuchungen zeigte Elenagen bereits eine Anti-Tumor-Wirksamkeit bei entsprechender Arzneimittelsicherheit in Nagetieren und Hunden. Nun haben Forscher in einer präklinischen Studie die Wirksamkeit und Sicherheit von Elenagen bei Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren (Brust-, Ovarial-, Lungen-, Nieren- und Hautkrebs) getestet.

Dabei wurden 15 Patienten mit einer ansteigenden Dosis von 1 bis 5 mg, 5-mal wöchentlich behandelt. Weitere 12 Patienten erhielten eine gleichbleibende 1 mg Dosis. Zehn der Patienten mit Brust- oder Ovarialkrebs, die trotz der Impfung mit Elenagen Krankheitsrückfälle erlitten, bekamen herkömmliche Chemotherapie verabreicht, um die Krebszellen abzutöten. Auftretende Nebenwirkungen waren als Grad 1 einzustufen, also sehr mild. Es wurden keine schwerwiegenden Begleiterscheinungen beobachtet.

Insgesamt konnten 12 der Pateinten (44 %) eine stabile Erkrankung über einen Zeitraum von 8 Wochen erzielen, d. h. der Krankheitsfortgang wurde gebremst, aber es waren noch mindestens 50 % des Tumorvolumens nachweisbar. Vier dieser Patienten (15 %) profitierten sogar von einer Tumorkontrolle über einen Zeitraum von 24 Wochen. Die Patientinnen mit Brust- und Ovarialkrebs erzielten eine zusätzliche Tumorstabilisierung über 12 bis 28 Wochen, wenn sie nach der Elenagen-Behandlung noch Chemotherapie verabreicht bekamen.

Diese präklinische Studie lässt darauf schließen, dass die Anwendung von Elenagen für Patienten mit soliden Tumoren, einschließlich Brustkrebs, sicher und mit einer guten Anti-Tumor-Wirksamkeit verbunden ist. Besonders ermutigend scheint der Aspekt, dass Elenagen möglicherweise die Empfindlichkeit von Tumoren gegen Chemotherapie wiederherstellen könnte, was insbesondere für Patienten eine Rolle spielen könnte, die gegenüber Chemotherapie resistent geworden sind, d. h. bei denen diese Behandlung nicht mehr wirksam ist.

Noch steckt die Forschung in diesem Bereich in den Kinderschuhen, da längst nicht alle Aspekte des Zusammenspiels der zellulären und nicht zellulären Bestandteile des hochkomplexen Immunsystem verstanden werden, doch die Fortschritte geben zweifellos Grund zur Hoffnung.

Das Ziel der Forschung ist eine individuell maßgeschneiderte Therapie, bei der ausgereifte Impfstrategien in Zukunft offenbar eine zunehmende Rolle spielen können. Vor Behandlungsangeboten angeblicher „Impfstoffe“, die jetzt schon eine Heilung oder andere sensationelle Erfolge per Impfung versprechen, muss aber dringend gewarnt werden.

————-

Quellen:

¹ Safety and efficacy of p62 DNA vaccine ELENAGEN in a first-in-human trial in patients with advanced solid tumors (Oncotarget. 2017 Aug 8; 8(32): 53730–53739) PMCID: PMC5581145
² Studienhinweis Curelab Onkology Inc. (Vetreiber von Elenagen)
³ HealthCom/Beipress

Linktipps: