Kinderwunsch – die wichtigsten Infos zur künstlichen Befruchtung

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Der Traum vom eigenen Kind ist bei vielen Menschen tief verankert, doch nicht immer klappt die Befruchtung auf natürlichem Weg. Etwa jedes achte Paar in Europa kontaktiert mittlerweile die Hilfe eines Spezialisten für In-vitro-Fertilisation (IVF), der häufigsten Methode zur künstlichen Befruchtung. Viele Paare, die schon lange versuchen auf natürliche Weise ein Kind zu bekommen leiden unter der belastenden Situation. Eine künstliche Befruchtung ist oftmals die letzte Möglichkeit den Kinderwunsch zu erfüllen, doch auch dabei sind viele Dinge vorab zu klären, denn eine In-vitro-Fertilisation kostet Zeit und Geld und nicht jede Behandlung führt auch wirklich zum Erfolg. Im Interview geben Univ. Prof. Dr. Michael Sator und Dr. Michael Schenk Auskunft, was Betroffene dabei berücksichtigen müssen.

In Österreich ist etwa jedes siebente Paar ungewollt kinderlos. Zu 50 Prozent ist die Ursache bei der Frau, zu 50 Prozent beim Mann zu finden.

Über diverse Aspekte der künstlichen Befruchtung sprechen Univ. Prof. Dr. Michael Sator, Facharzt für Gynäkologie und Frauenheilkunde und Dr. Med. Univ. Michael Schenk MAS, ärztlicher Leiter „Das Kinderwunsch Institut“. Weiters kommen Daniela und Erkan Togan, ein Paar mit Kinderwunsch zu Wort.

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Kinderwunsch—Interview: Gespräch mit Univ. Prof. Dr. Michael Sator, Dr. Michael Schenk MAS und Betroffenen

Fr. T. (Kinderwunsch-Betroffene): Wir probieren seit einem Jahr auf natürlichem Wege ein Baby zu bekommen und es hat nicht geklappt. Wir haben uns dann recht schnell entschlossen die In–vitro Fertilisation zu machen, weil wir auch keine Zeit mehr verlieren wollen. Wir sind beide in einem Alter, wo wir einfach wissen, dass wir jetzt ein Baby wollen und dies der Weg war, der für uns gepasst hat. Und diesen gehen wir jetzt.

Anmerkung: Bleibt eine gewünschte Schwangerschaft aus, beherrschen unzählige Fragen, Sorgen und Ängste das Leben. Fragen, die sich viele stellen, denn ungewollte Kinderlosigkeit ist kein Einzelfall.

Dr. Sator: In Österreich ist ungefähr jedes siebente Paar ungewollt kinderlos. Die Gründe können Infektionen, genetische Faktoren, Stressfaktoren, eine ungesunde Lebensweise, aber auch organische Faktoren sein. Das heißt bei Frauen, dass die Gebärmutter nicht ganz in Ordnung ist und von Seiten des Mannes, dass der Samenbefund nicht in Ordnung ist. Wenn man sich die Statistik ansieht, so findet man, dass zu gleichen Teilen Frauen und Männer einen auffälligen Befund mitbringen. Bei der Kinderwunschabklärung ist die Ursache eines Misserfolgs somit zu 50 Prozent bei der Frau und zu 50 Prozent beim Mann zu finden.

Anmerkung: Also unabwendbares Schicksal? Nein! Denn heutzutage gibt es Mittel und Wege, die Natur zu unterstützen und die langgehegte Sehnsucht nach einem Kind zu stillen. Der erste Schritt ist das Problem zu erkennen und sich frühzeitig einem Arzt anzuvertrauen.

Dr. Sator: Viele Paare starten den Kinderwunsch natürlich zu Hause und wenn nach einem Jahr ungeschütztem Geschlechtsverkehr noch immer keine Schwangerschaft entstanden ist, so sollte das Paar einen Spezialisten aufsuchen und zuerst mit einer Kinderwunschabklärungung und dann natürlich mit entsprechenden Therapien beginnen. Der Zeitfaktor und das Lebensalter, vor allem das Alter der Kindewunschpatientin sind extrem wichtig für einen positiven Erfolg, also für das Entstehen einer Schwangerschaft. Man weiß, dass die Fertilitätskurve ab dem 35. Lebensjahr und dann noch einmal mit dem 40. Lebensjahr stark abnimmt.

Anmerkung: Viele Paare zögern immer noch ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und dabei sind die Behandlungsmethoden ebenso vielfältig wie deren Ursachen.

Dr. Schenk: Dann beginnt die Behandlung bei Ultraschall–Untersuchungen, wo man den Eisprung optimiert und somit auch den Zeitpunkt des Schwangerwerdens. Der nächste Schritt wäre, wenn die Samenqualität schlechter ist, dass man Samen aufbereitet und diese in die Gebärmutter einbringt. Wenn das auch nicht funktioniert oder die Eileiter verschlossen sind, wird man unromantischer schwanger.

Anmerkung: Eine Garantie schwanger zu werden, gibt es weder auf natürlichem Wege, noch bei der künstlichen Befürchtung, aber durch die sich ständig weiterentwickelnden Methoden und Verfahren der In–vitro Fertilisation, steigen die Chancen auf Kinderglück.

Dr. Sator: An jenem Tag, an dem wir die Eizellen gewinnen, wird auch der Samen des Partners zur Verfügung gestellt, sodass wir dann im Labor Eizellen und Samenzellen für die künstliche Befruchtung haben. Sind beide Zellen mehr oder weniger in Ordnung, kann man eine normale künstliche Befruchtung durchführen. Das heißt, dass in einem Nährmedium Ei– und Samenzelle zusammengebracht werden, die Samenzelle zur Eizelle schwimmt und diese befruchtet.

Anmerkung: Erforderte die hormonelle Stimulation der Eierstöcke um Eizellen heranreifen zu lassen früher eine sehr komplizierte und belastende längerfristige Behandlung, so wurden die Therapieverfahren in den letzten zwanzig Jahren weiterentwickelt. Durch diese neuen Entwicklungen, die größere Behandlungsintervalle ermöglichen, wurde die Anwendungssicherheit der Medikamente verbessert. Wie hoch sind denn die Erfolgschancen nach einer Hormontherapie auf den lang ersehnten Kinderwunsch?

Dr. Sator: Wir Reproduktionsmediziner konnten in den letzten Jahren eine stetig zunehmende Schwangerschaftsrate beobachten. Diese Zunahme der Schwangerschaftsrate ist einerseits auf die verbesserten reproduktionsmedizinischen Techniken, andererseits auf die verbesserten Labortechniken zurückzuführen. Die derzeitige Schwangerschaftsrate in Österreich liegt bei ungefähr 32 bis 33 Prozent.

Anmerkung: … damit der Traum vom Kindersegen kein Traum bleiben muss.

Fr. T.: Ich würde es wieder machen. Ich wünsche mir natürlich, dass es jetzt klappt, aber sollte es nicht funktionieren, probieren wir es bestimmt noch einmal.

Künstliche Befruchtung

Ehepaaren, heterosexuellen und lesbischen Paaren in eingetragenen Partnerschaften ist es bei unerfülltem Kinderwunsch möglich eine künstliche Befruchtung in Erwägung zu ziehen. Daraus entstehende Kinder haben ab dem 14. Lebensjahr das Recht die Identität ihrer biologischen Eltern zu erfahren. Leihmutterschaften sind in Österreich derzeit rechtlich ausgeschlossen.

Finanzielle und psychologische Unterstützung

Im Falle einer In–vitro Fertilisation haben Paare durch den IVF–Fonds die Chance 70% der Kosten für höchstens vier Zyklen der Behandlung, inklusive der benötigten Medikation erstattet zu bekommen. Informationen für eine Kostenübernahme sind auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen zu finden (siehe Link unten). Weiters bieten reproduktionsmedizinische Stellen wie etwa das Kinderwunschzentrum Döbling häufig psychotherapeutische Begleitungen für Paare und Einzelpersonen an.

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Quellen:

Wir möchten ein Baby – Information über Kostenübernahme für medizinisch unterstützte Fortpflanzung durch den IVF-Fonds (PDF)
IVF-Fonds: Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch

Linktipps:









Über Kave Atefie

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