Nasensprays gegen Coronavirus: mehrere klinische Studien laufen

Politik & Forschung

Die Corona-Pandemie hat Wissenschaft und Forschung weltweit mobilisiert wie nie zuvor. Die Dimension des Problems lässt Biotech- und Pharmaunternehmen aller Länder eng kooperieren um möglichst rasch nachhaltige Lösungen zum Stopp der Pandemie zu finden.

Im Bestreben nach möglichst raschem Erfolg werden weltweit die unterschiedlichsten Ansätze gewählt.

Pandemiebekämpfung: Masken, Tests, Impfungen

Am Beginn der Ausbreitung von Covid-19 lag das Augenmerk auf der Produktion von Mund-Nasen-Schutzmasken (von einfachen MNS-Operationsmasken, die nicht den Träger, sondern seine Umgebung schützen, bis zu effizienteren FFP1, FFP2 und FFP3 Masken, die in unterschiedlichem Ausmaß Schutz gegen Aerosole und damit vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus bieten).

Es folgten Forschung und Entwicklung schneller, hochsensibler und sicherer Tests, wie Antikörperetests (PCR) und Antigentests.

Und von Anbeginn an, richteten sich die Anstrengungen nach der Forschung und Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes gegen Covid-19, der durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Krankheit. Anfang Dezember nannte die Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 200 solcher Impfstoffprojekte. Drei davon stehen knapp vor der Beantragung der Zulassung, bzw. haben diese im Rahmen einer Notfallzulassung in einzelnen Ländern schon erhalten. Dazu zählen:

  • BioNtec & Pfizer Impfstoff „BNT162b2“ (RNA-Impfstoff)
  • Moderna-Impfstoff “mRNA-1273” (RNA-Impfstoff)
  • Oxford-AstraZeneca-Impfstoff (Vektorimpfstoff)

Medikamente zur Vorbeugung von Infektionen und Heilung von Covid-19

Doch neben der fieberhaften Suche nach einem Impfstoff, wird an anderer Seite auch an Medikamenten geforscht, die die Verbreitung des Coronavirus eindämmen können, bzw. bei der Bekämpfung der von ihm ausgelösten Krankheit schweren Lungenkrankheit Covid-19.

Bei all diesen Unterfangen spielen zweifellos auch finanzielle Interessen eine große Rolle, schließlich ist die Nachfrage enorm und die Dringlichkeit hoch. Das birgt natürlich die Gefahr, dass nicht alle Kandidaten so seriös sind, wie sie zu vermitteln versuchen. Immer mehr windige Behauptungen zur Wirksamkeit bestimmter Mittel gegen SARS-CoV-2 finden im Internet Verbreitung.

Dazu noch haarsträubende Aussagen des scheidenden US Präsidenten Donald Trump, der allen Ernstes vorschlug Möglichkeiten zu prüfen, Menschen direkt Desinfektionsmittel zu spritzen. Zudem sinnierte er über Optionen, starkes Licht „in den Körper“ zu bringen, um Corona-Infektionen zu behandeln.

Weit weniger “amüsant” waren die Konsequenzen dieser skurilen Aussage: zahlreiche verletzte Amerikaner, die etwa Chlordioxid, das als Bleichmittel und zur Desinfektion verwendet wird, zu sich genommen haben. Dies veranlasste die US Gesundheitsbehörden zu verlautbaren, dass jeder Versuch dieser Art Behandlung vermutlich tödlich enden würde.

Derlei Aktionen lassen die Tatsache in den Hintergrund treten, dass Ärzte seit Beginn der Pandemie viel in der Behandlung des Virus dazugelernt haben. Dazu werden auch Arzneimittel getestet, die schon gegen eine andere Krankheit zugelassen oder zumindest in Entwicklung sind. Diese können schnelle umzufunktioniert werden als eine grundständige Neuentwicklung (“Repurposing” der Medikamente).

Dazu zählen:

– Antivirale Medikamente (z.B. Remdesivir, Favipiravir bzw. Favilavir)
– Herz-Kreislauf-Medikamente
– Medikamente für Lungenkranke
– Dämpfende Immunmodulatore

Dazu gesellen sich Medikamente anderer Art, für die ein Repurposing vorgeschlagen ist, die sich aber in keine der genannten Katergorien einordnen. Sie werden erprobt, weil man sich trotzdem von ihnen eine antivirale oder immundämpfende Wirkung erwartet. Dazu zählen etwa Nasensprays, die vor einer Infektion bzw. der weiteren Verbreitung des Virus im Nasen-Rachenraum schützen sollen.

Antivirale Nasensprays gegen SARS-CoV-2

Was erstmals ungläubiges Staunen hervorrruft, ist bei genauem Hinsehen ein höchst interessanter Ansatz: es ist bekannt und in mehreren Studien erwiesen worden, dass das Coronavirus vor allem durch die Nase und in weiterer Folge den Rachen in den Körper gelangt. Wenn es also genau in diesem Bereich gelingt eine wirksame Barriere zu etablieren, dann ist das eine hocheffektive Methode Ansteckungen zu unterbinden.

Tatsächlich ist bekannt, dass Gurgellösungen mit antimikrobiellen Mundspülungen sowie Nasensprays unter anderem einer Coronavirus-Erkrankung Covid 19 durch Verringerung der Virenlast entgegenwirken können. Deshalb zählen Antimikrobielle Mundspülungen und Nasensprays auch zu den Hoffnungsträgern im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Und es gibt auch in diesem Bereich bereits mehrere Kandidaten, die vielversprechende Forschungsergebnisse aufweisen können. Nachfolgend eine kleine – und nicht repräsentative – Auswahl an Projekten, die an Nasensprays gegen das Coronavirus forschen.

1. antiviraler Spray von Wiener Biotechnologie-Unternehmen BlueSky Immunotherapies GmbH

Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben eine völlig neuartige Technologie für einen Nasenspray als Therapeutikum entwickelt, das die Vermehrung von Viren in der Nase blockiert und nach Verabreichung einen
prophylaktischen Schutz gewährleistet. Damit wäre das Tragen einer Maske bei regelmäßiger Anwendung des Sprays nicht mehr nötig. Dieses Nasenspray hat das Potenzial, gegen jede Art von respiratorischen
Viren zu schützen.

Studienhintergrund: Das Biotechnologie-Unternehmen hat mit einer neuen Technologie zur Aktivierung von körpereigenen antiviralen PKR Molekülen, auch bekannt als Proteinkinase R (PKR), erste sensationelle Ergebnisse mit Frettchen erzielt. Tests sind bisher nur an diesen Tieren durchgeführt worden.

Frettchen, an denen das Spray getestet wurde, waren im Vergleich zur Placebo-Gruppe signifikant geschützt. Frettchen werden für diese Versuche primär eingesetzt, da sie sich wie Menschen über die Nase mit Viren anstecken können und sehr ähnliche Krankheitssymptome wie der Mensch entwickeln.

Der Prototyp ist jedenfalls patentiert, wird noch optimiert und weiterentwickelt. Behandlungszeiten, Intervalle und Dosierung des Nasensprays werden in weiteren Tests evaluiert.

Als Vorteile des neuartigen Nasensprays werden vom hersteller genannt:

* Prophylaxe gegen alle Arten von Atemwegsviren
* Verabreichung an der primären Eintrittsstelle
* Rasche weltweite Verfügbarkeit durch patentiertes Produktionsverfahren
* Geeignet zur Krisenvorsorge für künftige Pandemien

„Der Sprühstoß wirkt direkt an der Eintrittspforte der Viren“, sagt Univ.Doz. Dr. DI Thomas Muster, CEO von BlueSky Immunotherapies GmbH. Im Fall der Marktreife wäre das eine alternative Form der Pandemiebekämpfung mit höherer Akzeptanz und niederschwelligem Zugang für einen zusätzlichen individuellen Schutz bzw. eine Alternative zur bevorstehenden Impfung.

Das Projekt befindet sich in der Präklinik. Eine rasche Weiterführung der nötigen klinischen Studien könnte eine zeitnahe Produktion des antiviralen Nasensprays bedeuten. Das Therapeutikum durchläuft wie ein Impfstoff die Phasen I bis III. Das bedeutet eine genaue Testung und strengste Kontrolle für die Schutzwirkung und Verträglichkeit des Sprays.

2. antiviraler Spray von Wiener Biotechfirma Marinomed

Basis des Nasensprays ist Carragelose – einem Wirkstoff aus Rotalgen. Carragelose sei im Reagenzglas erfolgreich gegen Schnupfen-, Grippe- und Coronaviren, darunter SARS-CoV-2, getestet worden, so Marinomed. Auch in vier klinischen Studien mit Erkrankten sei die Wirksamkeit des Carragelose-Sprays gezeigt worden. Menschen mit Erkältung und coronavirusinfizierte seien früher symptomfrei gewesen als die Vergleichsgruppe, die nur eine Placebo-Behandlung bekommen habe.

In die Nase gesprüht, soll sich Carrageen als schützender Film auf die Schleimhaut legen und so Erkältungsviren abwehren bzw. eine Erkrankung verhindern. Tatsächlich findet das Portal medizin-transparent.at keine aussagekräftigen Beweise für diese Behauptung. Die angeführten Studien zu dem Wirkstoff seien allesamt durch einen Hersteller des Rotalgen-Erkältungssprays mit Carrageen finanziert worden. Die Studien untersuchten allerdings nicht, ob sich mit dem Spray dem Ausbruch von Erkältungen vorbeugen lässt, wie es der Beipackzettel suggeriert, sondern nur, ob sich die Erkältungsdauer verkürzt.

Ernüchternde Ergebnisse und methodische Mängel: die Forscher fanden nur bei einem verschwindend geringem Anteil der Studienteilnehmer einen Effekt, der über den des Scheinmedikaments hinausging. Bei einer der Studien sind einige der Autoren Angestellte des Herstellers, andere zusätzlich Mitbegründer und Patentinhaber.

Das börsenotierte Wiener Biotechunternehmen Marinomed hat jedenfalls nach eigenen Angaben die Arzneimittelzulassung seines neuen Nasensprays mit Carragelose in Österreich als Referenzstaat beantragt.

3. Cyprumed Nasenspray gegen Coronavirus

Auch das kleine Innsbrucker Unternehmen Cyprumed forscht an einem Nasenspray, der die Virenlast im Nasen-Rachenraum reduziert, indem er das Virus bei direktem Kontakt inaktiviert. Da der Wirkstoff in dem Spray bereits als pharmazeutischer Wirkstoff und für Lebensmittelergänzungsmittel zugelassen sei, könnten laut Unternehmen Nebenwirkungen ausgeschlossen werden. Der Wirkstoff attackiert die Hülle des Virus. Damit ist es gelungen nach einer sehr kurzen Kontaktzeit – von einer Minute – alle Viren abzutöten. Das war zumindest das Ergebnis der ersten Studie. Dieses müsse aber noch einmal bestätigt werden, diese Studien laufen derzeit aber noch. (Stand: 21.92020)

Ziel ist es, den Spray einzusetzen, wenn mit einer höheren Virenlast gerechnet wird. „Aber auch wenn man bereits infiziert ist, kann man damit rechnen, dass der Nasenspray dafür sorgt, dass sich die Viren im Nasen-Rachenraum weniger vermehren. So können schwere Verläufe verhindert werden“, erklärt Martin Werle von Cyprumed. Das Unternehmen hofft, den Spray innerhalb von zwei Jahren auf den Markt bringen zu können.

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Quellen:

Drei Top-Impfstoff-Kandidaten im Vergleich (ZDF)
Mehr Amerikaner nehmen Desinfektionsmittel zu sich (FAZ)
Hilft Rotalge gegen Corona oder Erkältungen? (medizin-transparent.at)
BlueSky Immunotherapies GmbH

Unternehmen: Der Schwerpunkt des Unternehmens BlueSky Immunotherapies GmbH liegt auf der Nutzung eigener Plattform-Technologien, welche antivirale und antitumorale Reaktionen aktivieren.

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Über Kave Atefie

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