Posttraumatische Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen

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Existenzielle Bedrohung oder Erlebnisse und Situationen katastrophalen Ausmaßes sind die Ursache für eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Sie stellt einen Versuch des Organismus dar, eine mögliche Existenzbedrohung zu überstehen. Dabei reagiert der menschliche Organismus verzögert auf elementare Ereignisse wie Kriegserlebnisse, Gewaltverbrechen, Naturkatastrophen oder von Menschen verursachte Katastrophen, wie Flugzeugabstürze, Terrorattacken, Amokläufe usw.

Während die möglichen Auslöser einer Posttraumatischen Belastungsstörung (engl. Posttraumatic Stress Disorder) klar umrissen sind, können die Erlebnisse, die zum Trauma führen von der Dauer variieren. Experten sprechen davon, dass etwa 50 bis 90 Prozent aller Menschen im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal eine traumatische Erfahrung. Die Häufigkeit variiert so stark, da viele Faktoren einen Einfluss nehmen – sind wir z. B. in einer exponierten Situation wie z. B. in einem Kriegsgebiet oder in der Ausübung eines riskanten Berufes.

Von diesen Betroffenen entwickeln lediglich 10 % eine Posttraumatische Belastungsstörung. So leidet jede/jeder Zweite nach einer Vergewaltigung an einer posttraumatischen Belastungsstörung, jeder Vierte nach einem anderen Gewaltverbrechen, 20 Prozent von Kriegs-, 15 Prozent von Verkehrsunfallopfern oder auch 15 Prozent bei schweren Organerkrankungen (Herzinfarkt, Malignome).

Sonderform: Posttraumatische Belastungsstörung bei Kindern und Jugendlichen

Landläufig werden sehr viele Situationen, wie z. B. Scheidung als „traumatisch“ bezeichnet. In der Regel führen diese jedoch nicht zu den charakteristischen Symptomen der PTBS. „Typische“ Auslöser sind hingegen sexuelle und/oder körperliche Gewalt, Unfälle, Naturkatastrophen, Verlust von Familienmitgliedern und Psychoterror (Mobbing). Es wird vermutet, dass Kinder und Jugendliche sogar schon die verbale Vermittlung eines solchen Ereignisses eine PTBS auslösen kann, etwa die Nachricht oder Fotografien vom gewaltsamen Tod eines Familienmitglieds.¹

Bei Kindern äußert sich eine Traumatisierung durch Ängste, Regression in frühere Entwicklungsstufen, starker Rückzug, Aggression/Destruktion, Konzentrationsschwierigkeiten, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen. Bislang gibt es keine gesonderte traumaspezifische Diagnose für Kinder. Jedoch gibt es psychotherapeutische Ansätze die sich auf die Behandlung von Traumatisierungen bei Kinder spezialisiert haben.

Kinder sind besonders verletzlich durch ihre Abhängigkeit zum sozialen Umfeld. Die Persönlichkeit eines Kindes steht noch am Anfang ihrer Entwicklung, weder Körper noch Gehirn sind ausgereift, das Ich hat sich noch nicht konsolidiert – kann auf keine positiven Erfahrungen zurückgreifen. Kinder müssen erst lernen mit Gefühlen wie Angst, Wut, Scham und Frustration fertigzuwerden.

Ein Kind ist auf seine Bindungspersonen angewiesen, es tut alles um diese Beziehung nicht zu gefährden, dies erklärt auch oft warum Kinder Täter schützen. Die Wirkung eines Kindheitstrauma unterscheidet sich vom traumatischen Stress der Erwachsenen. Oft sind die traumatischen Wurzeln schlecht zu erkennen, weil Kinder die Täter schützen. Ein grundlegendes Verständnis für den Entwicklungsprozess und das Zusammenwirken aller inneren Faktoren ist wichtig für eine Behandlung.

Krisenintervention auf Abruf

Es gibt zahlreiche Ansätze der Traumatherapie bei Kindern, allerdings wurden bisher nur sehr wenige Interventionen hinsichtlich ihrer Eignung und Effektivität für Kinder und Jugendliche wissenschaftlich untersucht. Klar ist, dass Kinder und Jugendliche, die gerade ein traumatisches Ereignis erlebt haben, in der Akutsituation im Rahmen einer Krisenintervention möglichst rasch zuerst medizinisch und anschließend psychosozial versorgt werden sollten. In der psychosozialen Versorgung geht es vor allem darum, möglichst rasch wieder ein Stück Normalität herzustellen.

In Österreich gibt es seit rund zwei Jahrzehnten AKUT-Teams, die rund um die Uhr in Bereitschaft stehen. Mobile Krisenintervention durch psychologische und psychotherapeutische Fachkräfte gilt bei Akutereignissen wie Unfällen, plötzlichen Todesfällen, Gewalttaten, Suiziden oder elementaren Katastrophen mittlerweile als selbstverständlicher Standard – und ist für die Betroffenen kostenlos. Die Anforderung der Betreuung erfolgt über Einsatzorganisationen, Krankenhäuser, Behörden und soziale Dienste. Ziel der Betreuung ist eine erste ganzheitliche Stabilisierung. Studien zeigen eine deutliche Minderung von Belastungen nach traumatischen Erfahrungen durch die rasche Hilfe. Zudem sinkt die Tendenz zu Dauerschäden.

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Quellen:

¹ (Giaconia, et al., 1995; Nader et al., 1993; Saigh, 1991, zit. n. Steil & Rosner, 2009)
² Krisenintervention im Schulalltag
³ AKUTteam

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