Rätselraten über mysteriöse Pflanzensamen aus China

Politik & Forschung

Seit Wochen sorgen unbestellte Saatgutsendungen aus China und anderen asiatischen Ländern bei Konsumenten für Verwirrung. Die Samenpäckchen mit unbekannten Pflanzensamen wurden von den Empfängern nicht bestellt, die Absender sind unbekannt.

Das Problem: bei den Samen könnte es sich um nichtheimische invasive Pflanzenarten bzw. Unkräuter handeln, die das heimische Ökosystem schaden könnten. Experten warnen deshalb davor, die Samen auszusäen und raten daher diese möglichst im Hausmüll (nicht im Kompost oder der Biotonne) zu entsorgen.

Hinweis zu umbestellten Pflanzensamen

Was in den USA begann, schwabbte nun auch nach Europa über. Weltweit bekommen Menschen derzeit Päckchen mit diversen Pflanzensamen zugeschickt, die sie aber gar nicht bestellt haben. Meldungen aus Großbritannien sowie aus Deutschland sind amtlich und auch aus Österreich gibt es Meldungen, wie heimische Gärnereien berichten. Die Sendungen stammen zumeist aus China, teilweise aber auch aus anderen Ländern.

Anfangs tappte man bei Sinn und Zweck der Aktion völlig im Dunkeln, nun dürfte das Rätsel aber gelöst sein. Indizien deuten darauf hin, dass es sich um eine Betrugsmasche handelt.

Zu Beginn dachte man an einen Werbegag, dann hielten US amerikanische Behörden auch einen Fall von Bioterrorismus für möglich. Dies vor allem, weil manche der Samenkörner mit einer unbekannten Substanz überzogen waren. Bei der violetten Schicht könnte es sich um ein Insektizid oder Fungizid handeln, sagte Robin Pruisner von der zuständigen Agrarbehörde des US-Bundesstaats Iowa, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Nachdem das chinesische Außenministerium die Adressetiketten als Fälschung bezeichnete und die chinesische und amerikanische Post die Inhalte und Deklarationen genauer unter die Luope nahmen, hat sich die Annahme verdichtet, dass es sich dabei wohl eher um den Versuch eines sogenannten „brushing scam“ (zu deutsch: Bürstenbetrug) handelt.

Dabei werden von speziellen Agenturen massenhaft Bestellungen mit gestohlenen Online-Identitäten getätigt. Dabei legen sich die Betrüger, in der Regel Drittanbieter eines Produkts, zunächst unter dem Namen des späteren Empfängers ein Konto bei gängigen Verkaufsplattformen wie Amazon oder Ebay an. Anschließend bestellen sie mit dem Account die Ware, die sie dann an den ahnungslosen Empfänger verschicken. Dabei geht es allerdings zumeist gar nicht um die tatsächlich bestellte Ware, vielmehr um die Bewertung eines anderen (zumeist hochwertigeren) Artikels.

Damit nämlich die Bestellungen bei der jeweiligen Plattform (wie etwa Amazon) als echt bewertet werden, muss tatsächlich irgendetwas ausgeliefert werden. In diesem Fall etwa billige Samen. Anschließend können positive Kundenbewertungen (sogenannte Reviews) des Shops oder der Produkte gepostet werden. Dies würde auch erklären, warum als Paketinhalt teilweise „Schmuck“ oder „Ohrstecker“ angegeben war, obwohl der Packungsinhalt nur aus den deutlich billigere Pflanzensamen bestand.

Gefahr nichtheimischer Pflanzen

Abgesehen von der ersten allgemeinen Verwunderung über die Hintergründe der ganzen Aktion, warnten Pflanzenexperten früh vor den Folgen einer unkontrollierten Aussaat des fremden Saatguts.

Denn nichtheimische invasive (also schädliche) Pflanzenarten können im schlimmsten Fall das Ökosystem einer Region durcheinanderbringen, wie Experten des Deutschen Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen festhielten.

Ein eindrucksvolles Beispiel für die fatalen Auswirkungen fremder Pflanzen (Neophyten) auf das heimische Ökosystem liefert seit Jahren Ragweed (Ambrosia bzw. Traubenkraut). Der ursprünglich in Nordamerika heimische Ragweed wurde nach Europa, Asien und Australien eingeschleppt. Diese invasive Art kann sich rasch ausbreiten und bedroht die heimische Biodiversität durch Verdrängung der lokalen, standorttypischen Pflanzenarten.

Ragweed (Ambrosia artemisiifolia) und der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) spielen auch für Pollenallergiker eine große Rolle, da sie verantwortlich hoch allergen sind. Bereits wenige Pollenkörner pro m3 Luft reichen aus, um teilweise heftige Asthmaanfälle bzw. eine Hautsymptomatik (Dermatitis) auszulösen. Ragweed gilt auch als Auslöser des sogenanten „Herbstheuschnupfen“, da die Blütezeit von August bis September reicht.

Aber selbst wenn dies bei den gelieferten Pflanzensamen nicht der Fall ist, so können sich am und im Saatgut Krankheitserreger befinden, wie Pilze, Bakterien oder Viren, die in Europa als Quarantäneschadorganismen eingestuft sind und deren Einschleppung unbedingt verhindert werden soll.

Die dringenden Empfehlungen der Experten lauten daher, diese Pflanzensamen keinesfalls auszusäen und am besten im Hausmüll zu entsorgen, also auch nicht über den Kompost oder die Biotonne.

———-

Quellen:

Unsolicited Seeds from China (United States Department of Agriculture – USDA)
Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Invasive Pflanzenarten – was ist das? (umweltberatung.at)

Linktipps:









Über Kave Atefie

SEO-Consultant und Gründer des unabhängigen österreichischen Gesundheitsportals gesund.co.at, das seit Jahren zu einem der beliebtesten Themenportale im deutschen Sprachraum zählt. Der Anspruch auch komplexe Themen leicht verständlich für interessierte Laien aufzubereiten wurde zum Markenzeichen des Portals.