Symptome von Covid-19 oder Allergie?

Pollenallergie bei Angstpatienten

Eine kräftige Pollensaison im Frühling durch Birken-, Hasel- und Erlenbaumpollen sowie Eschenbaumpollen betraf heuer viele Pollenallergiker. Gleichzeitig mit dem COVID-19-bedingten Lockdown im März verspürten sie Symptome einer Erkältung und waren verunsichert: Sie hatten Husten und Schnupfen aber kein Fieber. Litten sie nun unter COVID-19 oder unter ihrer jährlichen Pollenallergie?

Haben Allergiker ein höheres Corona-Risiko? Wie unterscheiden sich die Symptome einer Pollenallergie & Covid-19? Wie steht es mit der Medikation?

„Mittlerweile wissen wir, dass Symptome einer rinnenden Nase sowie juckende/tränende Augen keine typischen COVID-19-Symptome sind und gemeinsam mit dem Ansprechen auf Allergietabletten (Antihistaminika) sehr für eine Allergie sprechen“, berichtet Primarius Priv.-Doz. DDr. Wolfram Hötzenecker, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Allergologie. Allergien auf Pflanzenpollen, Schimmelsporen, Hausstaub und Haustiere sind deutlich häufiger als eine COVID-19-Infektion. Über eine Million Österreicher*innen sind davon betroffen.

Dahingegen scheinen Geruchsverlust, Fieber und Magen-Darm-Beschwerden eher für eine COVID-19 Infektion zu sprechen. Die Therapie zwischen diesen beiden Erkrankungen ist selbstverständlich grundverschieden.

Häufige Fragen zu Allergie und Covid-19

Allergiker brauchen keine Bedenken hinsichtlich eines größeren Risikos für eine Infektion mit dem Coronavirus haben. Ihr Immunsystem ist nicht geschwächt und die Abwehr gegen Bakterien und Viren ist bei ihnen normal. Pollenallergiker etwa haben eine verstärkte immunologische Reaktion auf die in der Luft fliegenden Pollen. Dabei bilden sie Antikörper gegen Allergene der Pollen, dies ist jedoch kein Zeichen für eine geschwächte immunologische Abwehr.

Häufig wird auch die Frage gestellt, wie es sich mit der Einnahme von Antihistaminika und Cortison verhält und ob es durch die Einnahme zu einem erhöhten Risiko für Covid-19 kommen kann. Bezüglich Antihistaminika gilt, dass es derzeit keinerlei Hinweise gibt, dass diese Medikamentengruppe ein Problem sein könnten. Zu Cortisonpräparaten sagt Dr. Erika Jensen-Jarolim, Expertin für Allergie-Diagnostik auf dem Spezialportal www.pollenwarndienst.at: „Cortison unterdrückt tatsächlichn nicht nur die allergische Entzündung, sondern auch die Immunantwort. Es macht allerdings einen großen Unterschied, ob es lokal – dabei wirkt es unmittelbar an einer bestimmten Stelle und wird kaum resorbiert – oder oral eingenommen wird.“

Und weiter: „Systemische orale Therapie mit Cortisontabletten sind zum Auffangen allergischer Symptome, wie z.B. bei Nahrungsmittelallergien und anaphylaktischem Schock geeignet und wichtig. Chronischer Konsum oder die früher gebräuchliche präsaisonale Injektion ist dagegen kritisch zu sehen. Systemische Cortisontherapie ist wegen der Nebenwirkungen (z.B. Osteoporose, Diabetes, etc.) abzulehnen.

Daher sollte bei respiratorischen Allergien orale Antihistaminika der Vorrang gegeben werden, bzw. bei Asthma, Neurodermitis und chronischer allergischer Rhinitis sind topische (lokale) Behandlungen mit Sprays durchaus indiziert. Nochmal, eine intakte Haut- und Schleimhautbarriere ist der beste Schutz gegen Virusinfektionen.“

Allergien erkennen

Wichtig ist es, auch in Zeiten der trotz Lockerungen immer noch laufenden COVID-19 Pandemie, Symptome einer Allergie zu erkennen und eine Diagnose zu stellen. Denn die meisten allergischen Erkrankungen sind gut behandelbar.

„Knapp die Hälfte aller Patienten mit einer unbehandelten Pollenallergie haben ein Risiko, einen Etagenwechsel zum Asthma bronchiale durchzumachen“, weiß Priv.-Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl, stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe. Betroffen sind vor allem Kinder, Jugendliche und jüngere Erwachsene. Dieses Risiko kann durch eine Allergen-spezifische-Immuntherapie (= Allergieimpfung) deutlich reduziert werden.

Eine weitere Gefahr für Patienten im Hoch- und Spätsommer sind allergische Reaktionen vom Hautausschlag bis zum Schock auf Bienen- und Wespenstiche. „Vor einer schweren Reaktion auf den nächsten Bienen- oder Wespenstich schützt ebenfalls eine allergen-spezifische-Immuntherapie“, berichtet Primarius Univ.-Prof. Dr. Gunter Sturm, Vorstandsmitglied der Arbeitsgruppe.

Alle Patienten mit der Geschichte von Schockreaktionen auf Insektenstiche oder Nahrungsmittel wie Nüsse, Fische oder Meeresfrüchte benötigen spezielle Notfallsets, die auch Adrenalin-Pens enthalten. „Diese können sich Patienten bei Gefahr selbst in den Oberschenkel injizieren“, erläutert Oberärztin Dr. Christine Bangert, ebenfalls Vorständin der Arbeitsgruppe.

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Quellen:

Allergie & Covid-19 (pollenwarndienst.at)
Nationale Patienteninformationen zu Allergien: Ratgeber

Die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) ist eine gemeinnützige medizinische Fachgesellschaft und hat ihren Sitz in Wien. Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der wissenschaftlichen Entwicklung und der praktischen Umsetzung des Fachgebietes der Haut- und Geschlechtskrankheiten einschließlich seiner Spezialdisziplinen; unter anderem Allergologie, Angiologie/Phlebologie, Dermatohistopathologie und Immundermatologie.

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