Wie entstehen Gallensteine? Forscher entdecken Ursache von Steinleiden

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Steinleiden, also Harn-, Nieren- und Gallensteine sind sehr häufig. Schätzungen gehen in Österreich von ca. 15 Prozent Betroffenen aus, die an Gallensteinen leiden, wobei Frauen 2 bis 3 Mal häufiger betroffen sind als Männer. Die Größe von Gallensteinen kann von einigen Millimetern bis zu wenigen Zentimetern reichen. Sie können unauffällig sein oder extreme Schmerzen verursachen, zu schweren Koliken und sogar lebensbedrohlichen Entzündungen im Bauchraum führen. Doch obwohl die Erkrankung zu den zehn häufigsten Gründen für einen Krankenhausaufenthalt gehört, war bisher nicht bekannt, wie die kleinen Kristalle überhaupt entstehen. Das hat sich jetzt geändert, denn ein Forscherteam des Universitätsklinikums Erlangen konnte nun das Geheimnis lüften.

Galle bzw. Gallenblase

Die Gallenblase (Galle) ist ein kleines sackförmiges Gebilde und haftet an der Unterseite der Leber. Sie ist wichtig für die Aufnahme von Fetten und Vitaminen aus dem Darm. Sie dient damit einerseits der Entgiftung und andererseits der Verdauung der Nahrung, speziell der Fettverdauung. Die Gallenblase selbst hat dabei nur eine Speicherfunktion, sie bildet kein Gallensekret (dieses wird auch als „Galle“ bezeichnet).

Ihre Aufgabe ist es die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit (Primärgalle) zu konzentrieren, zu speichern und zeitgerecht auszuschütten. Wenn die Nahrung vom Magen in den Zwölffingerdarm gelant, zieht sich die Gallenblase zusammen und schüttet die zuvor von der Leber produzierte Galle (das Sekret) für die Verdauung in den Darm aus. Wenn Bestandteile in der Galleflüssigkeit verklumpen (besonders Cholesterinkristalle), können sich dadurch sogenannte Gallensteine bilden.

Viele Betroffene, wenig Klarheit über Entstehung

Etwa 25 Millionen Amerikaner, sowie circa sechs Millionen Deutsche leiden unter Gallensteinen. In Österreich sind rund 15 % aller Österreicher davon betroffen. Gallensteine können nicht nur zu äußerst schmerzhaften Koliken, sondern auch zu lebensbedrohlichen Entzündungen im Bauchraum führen. Sehr oft benötigen Steinleiden ein chirurgisches Vorgehen, um diese Fremdkörper zu entfernen. Erstaunlicherweise war bisher nur sehr wenig darüber bekannt, wie die Steine entstehen und wie diese zusammengesetzt sind. Bekannt war zwar, dass Kristalle an der Bildung von Steinen beteiligt sind, im Falle von Gallensteinen sind es meist Cholesterinkristalle. Wie aber aus einem mikroskopisch kleinen Kristall ein Stein wird, war bisher nicht erforscht und konnte nun aufgeklärt werden.

Geheimnis gelüftet: Forscher finden heraus wie sich Gallensteine bilden

Das Geheimnis der Entstehung von Gallensteinen wurde nun von einem Forschungsteam der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie und der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie des Universitätsklinikums Erlangen gelüftet. Die Erkenntnisse wurden im August 2019 in der Fachzeitschrift Immunity veröffentlicht.

Dabei ging das Team um Dr. Luis Munoz, Sebastian Böltz und Prof. Dr. Martin Herrmann der Medizin 3 einen unkonventionellen Weg, der sie in Museen, Schlachthöfe und Operationssäle führte. Unterstützt wurden sie von Dr. Moritz Leppkes und Prof. Dr. Markus F. Neurath der Medizin 1.

Das Forscherteam untersuchte menschliche Steine aus der Museumssammlung der Charité in Berlin, Gallenflüssigkeit von Schweinen vom Schlachthof sowie Steine und Gallenflüssigkeit von Patienten, die sich operativen Eingriffen des Bauchraumes unterzogen haben.

In der eingehenden Untersuchung dieses Materials mit modernsten Methoden konnten die Wissenschaftler eine sehr überraschende Entdeckung machen: Alle Gallensteine sind übersäht von Spuren einer speziellen Form der weißen Blutkörperchen – den neutrophilen Granulozyten. Diese Zellen gelten als erste Abwehrfront des Körpers und schlagen nicht nur auf Bakterien und anderen Keime an, sondern erkennen auch Kristalle als Gefahr.

Beim Versuch diese aufzunehmen, sterben sie und stülpen ihre Erbsubstanz wie ein Netz über die Kristalle. Diese Netze – englisch: NETs für neutrophil extracellular traps – winden sich um die Kristalle, verklumpen diese und lassen so Steine entstehen, die manchmal erstaunliche Ausmaße annehmen können.

„Wir beobachteten, dass die freigesetzten Netze in der bereits klebrigen Gallenflüssigkeit, Kalzium- und Cholesterinkristalle verklumpen und so Gallensteine geformt werden. Wird die Bildung von Netzen pharmakologisch gehemmt, kann die Gallensteinbildung stark verringert oder sogar aufgehoben werden“ sagt Dr. Munoz.

Durch diese Entdeckung ergeben sich neue bisher ungeahnte Möglichkeiten der Behandlung von Gallensteinen. Interessant könnte ein einfacher pharmakologischer Ansatzpunkt sein: die Verwendung von Metoprolol, eines sogenannten Beta-Blockers, der bereits seit vielen Jahren erfolgreich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird. Metoprolol hindert neutrophile Granulozyten daran, aus der Blutbahn in das Gewebe zu gelangen und reduziert damit die Kapazität, Netze und damit Gallensteine zu bilden.

Des Weiteren sind bereits spezifische Hemmer der Netzbildung von neutrophilen Granulozyten bekannt, sogenannte PAD-Hemmer, die sehr effizient die Bildung von experimentell-induzierten Gallensteinen hemmen und damit die Bedeutung des Immunsystems bei der Bildung dieser Strukturen beweisen konnten.

Das Forscherteam weist außerdem darauf hin, dass dieser Prozess nicht nur bei Gallensteinen von zentraler Bedeutung ist, sondern auch bei anderen Steinleiden, wie Nieren- oder Speicheldrüsensteinen entscheidend sein dürfte.

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Quellen:

¹ DeutschesGesundheitsPortal.de
² Neutrophil Extracellular Traps Initiate Gallstone Formation (Munoz L., Böltz S. et al in Immunity 08/2015) DOI: https://doi.org/10.1016/j.immuni.2019.07.002

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