Wie wirkt sich Prostatakrebs-Therapie auf das Sexualleben aus?

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Wissenschaftler haben in einer systematischen Literaturanalyse den Einfluss von fokalen Therapien bei lokalem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs auf die sexuellen Funktionen untersucht.

Die analysierten Behandlungsmethoden zeigten positive Ergebnisse, häufig mit einer vollständigen Herstellung der sexuellen Funktionen.

Fokale Therapien sind einen Behandlungsmöglichkeit für Männer, deren Prostatakrebs noch örtlich auf die Prostata beschränkt ist. Bei ihnen hat der bösartige Tumor noch nicht die Kapsel der Prostata durchbrochen und auch keine Metastasen in anderen Organen gebildet. Bei der fokalen Therapie ist die Behandlung also auf den Tumorherd bzw. eine Region der Prostata begrenzt.

Fokale Therapie als Behandlungsoption wenn nicht die gesamte Prostata befallen ist

Während nach wie vor bei den meisten Patienten mit einem lokalisierten Prostatakarzinom die gesamte Prostata behandelt werden muss – entweder durch vollständige Entfernung des Tumors oder durch Bestrahlung – können unifokal Karzinome, die nur auf einen Herd oder nur ein Areal begrenzt sind, auch mittels einer so genannten fokalen Therapie behandelt werden.

Die fokale Therapie kommt aber nur für einige Patienten infrage, der allgemeine Gesundheitszustand spielt eine Rolle und viele Kriterien müssen sorgfältig abgewogen werden.

Die Begrenzung des Prostatakrebs darf auf nur einen oder sehr wenige Herde innerhalb der Prostata fallen, außerdem darf der Gleason-Score (er bewertet Ausmaß und Grad der Gewebeveränderung) nicht höher als 3+3 oder 3+4 sein. Auch der PSA-Wert ist ein Kriterium. Nur bei einem Wert unter 15 ng/ml kommt eine fokale Therapie in Frage.

Bei dieser innovativen Behandlungsmethode kommen verschiedene Energieformen zum Einsatz – von Medikamenten bis Hitze oder Kälte.

Mal wird der Tumor mit Hilfe von Arzneien lichtempfindlich gemacht, mal „verkocht“ oder die Krebszellen bekommen einen „Kälteschock“ und sterben ab.

Da nur die Tumor-tragenden Anteile und nicht die gesamte Prostata behandelt werden, wird gesundes Gewebe geschont. Hierdurch erwartet man ein geringes Ausmaß an Nebenwirkungen.

Da kein signifikanter Vorteil von Behandlung gegenüber aktiver Überwachung nachgewiesen wurde, bleibt die Wahl des richtigen Verfahrens bei lokalem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs schwierig. Um den Erhalt sexueller Funktionsfähigkeit im Fall einer Behandlung zu gewährleisten, könnte die Anwendung einer fokalen Behandlung eine Alternative darstellen. Diese zielt darauf ab, nicht-tumorales Prostatagewebe zu erhalten, indem nur Krebsherde angegriffen werden.

Für die Analyse wurden 26 Studien aus den medizinisch-wissenschaftlichen Datenbanken MEDLINE, EMBASE und Web of Science ermittelt, die bis Juni 2020 publiziert wurden.

Fünf fokale Therapieansätze analysiert

In der Analyse wurden die folgenden Therapien untersucht: Kryotherapie, hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU), photodynamische Therapie (PDT), irreversible Elektroporation (IRE) und Brachytherapie.

Bei der HIFU werden durch einen Schallkopf fokussierte Ultraschallwellen erzeugt, die das angepeilte Krebsgewebe zerstören. Es handelt sich um eine der am besten in Studien erforschten und am häufigsten angewandten fokalen Therapiearten. Die mögliche Energieabgabe des Systems kann jedoch limitierend auf die Anwendbarkeit wirken, die z. B. bei großen Prostatavolumina nicht ausreichen kann.

Die PDT funktioniert über die Aktivierung photosensibler Medikamente in der Prostata. Die Aktivierung erfolgt durch Laserlicht, das die Prostata durch eine spezielle Nadel erreicht. Die Medikamente rufen eine lokale Gewebsnekrose aus und wirken so auf die Tumorzellen. Es wurden bereits Verfahren in einer randomisierten Phase-III-Studie untersucht, weitere Studien werden jedoch empfohlen.

Bei der Kryotherapie wird durch das Einführen spezieller Kryo-Nadeln in die Prostata eine Dehydrierung des Gewebes und Denaturierung von Proteinen durch sehr niedrige Temperaturen erreicht. Der Vorteil der Therapie besteht darin, dass der Tumor an jeder Stelle in der Prostata erreicht werden kann. Es kann jedoch zur Beschädigung des umliegenden Gewebes kommen.

Bei der irreversiblen Elektroporation (IRE) werden elektrische Impulse mit einer Frequenz im Mikrosekundenbereich zwischen zwei oder mehreren Elektroden übertragen, wodurch Poren in der Zellmembran entstehen, die zum Zelltod führen. Die Therapie gilt laut den Autoren noch als experimentell, aber sehr vielversprechend.

Die Brachytherapie kann als fokale Strahlentherapie angewandt werden. Die Literaturrecherche ergab jedoch einen mangelnden Konsens bezüglich Behandlungsschemata, Dosierung und Durchführung.

Gute Ergebnisse bei allen untersuchten Behandlungsarten

Insgesamt wurden in der Analyse gute Ergebnisse bezüglich sexueller Funktionen für alle Behandlungsarten festgestellt, wobei häufig eine vollständige Wiederherstellung bei der Folgeuntersuchung nach einem Jahr berichtet wurde.

Die Autoren bemängeln jedoch, dass die Bewertbarkeit der Ergebnisse unter erheblicher Heterogenität in Bezug auf Studiendesign, Studienpopulation und Modalitäten zur Bewertung der Sexualfunktion leide.

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Quelle:

Erectile function after focal therapy for localized prostate cancer: a systematic review (Fallara G, Capogrosso P, Maggio P, Taborelli A, Montorsi F, Dehò F, Salonia A. in Int J Impot Res. 2021 May;33(4):418-427. doi: 10.1038/s41443-020-00357-9. Epub 2020 Sep 30.) PMID: 32999435
Therapie gegen Prostatakrebs: Experten fordern Umdenken (gesund.co.at)
– www.deutschesgesundheitsportal.de

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