Johanniskraut – neue Hoffnung gegen Alzheimer Demenz

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      Neueste Forschungsergebnisse rund ums Johanniskraut liefern Hinweise auf positive Effekte gegen die Alzheimer-Demenz. Aufgrund ihrer mittlerweile vielfältig nachgewiesenen positiven Effekte in verschiedenen Gesundheitsbelangen wurde das Johanniskraut vom Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“/Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt.

    Diese Wahl hat die vielfältige Pflanze mehr als verdient: Denn als eine der am besten untersuchten Pflanzen gilt Johanniskraut seit langem als erprobtes Naturheilmittel gegen leichte bis moderate depressive Zustände. Stimmungsaufhellende und angstlösende Effekte wurden in einer Vielzahl von Studien belegt (1,2). Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Johanniskraut-Extrakt eine wertvolle Unterstützung bei der Nikotin- und Alkoholentwöhnung darstellen kann, weil es Entzugssymptome lindert (1). Aktuellen Erkenntnissen zufolge werden die Botenstoffe des Gehirns auf verschiedene Weisen positiv beeinflusst. So kommt es etwa zu einer Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin aus dem Spalt zwischen zwei Nervenzellen (synaptischer Spalt). Das erhöht die Konzentration von Serotonin und bessert die Stimmung.(3) Andere Mechanismen werden diskutiert.

    Natürliche Waffe gegen Demenz?

    Seit mehr als einem Jahrzehnt wird Johanniskraut auch bei neurodegenerativen Erkrankungen untersucht. In mehreren Studien konnten neuroprotektive Effekte gezeigt werden. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und der Tatsache, dass es bislang nicht gelungen ist, erfolgreiche medikamentöse Strategien gegen Demenzerkrankungen zu entwickeln, sind neueste Forschungsergebnisse an Versuchen mit Mäusen von besonderer Brisanz: Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Heilpflanze tatsächlich positive Wirkungen gegen die Alzheimer-Demenz haben könnten (4,5).

    So wurden eine Reduktion der typischen Amyloid-Plaques sowie kognitive Verbesserungen, insbesondere der Merkfähigkeit, beobachtet. Welches Potenzial Extrakte der Heilpflanze in der Behandlung von Alzheimer-Demenz sowie anderen mit Eiweißakkumulation im Zentralnervensystem und kognitiven Beeinträchtigungen verbundenen Erkrankungen tatsächlich besitzen, muss in weiteren Studien detailliert geprüft werden.

    Die Arzneipflanze des Jahres 2015 kann jedoch noch wesentlich mehr: So sind auch antibakterielle und antientzündliche Aktivitäten sowie wundheilungsfördernde Wirkungen (insbesondere bei lokaler Anwendung auf der Haut) des Johanniskrautes belegt (1).

    Gute Verträglichkeit

    Hauptinhaltsstoffe sind Naphthodianthrone (v.a. Hypericin und Pseudohypericin), sowie Phloroglucinderivate wie Hyperforin, Gerbstoffe, Flavonoide und Biflavonoide. Als wichtigste Wirkstoffe des Johanniskrauts gelten bislang die rot färbenden Hypericine. Es wird jedoch vermutet, dass speziell für die neuroprotektiven Effekte andere Inhaltsstoffe hauptverantwortlich sind; es wird angenommen, dass das Gesamtextrakt die umfassendste Wirkung besitzt.

    Ausreichend hohe Wirkstoffmengen werden als Trockenextrakt in pflanzlichen Arzneimitteln verarbeitet. Diese sind nur in der Apotheke erhältlich (z.B. Dr. Böhm® Johanniskraut 425 mg und 600 mg). Johanniskraut ist im Allgemeinen gut verträglich. Insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, deren Spiegel sehr genau eingestellt sein muss (wie etwa zur Blutverdünnung), oder wenn bereits ein Antidepressivum eingenommen wird, sollte aber zunächst immer eine Absprache mit dem Arzt erfolgen.

    Lange Tradition

    Der Einsatz von Johanniskraut ist keineswegs neu. Schon im Mittelalter wurde die Pflanze gegen Melancholie eingesetzt, wie Aufzeichnungen aus einem der ältesten erhaltenen Dokumente der Klostermedizin, dem bereits im 8. Jahrhundert verfassten „Lorscher Arzneibuch“, entnommen werden kann. Dieses gehört seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Äußerliche Anwendungen des Johanniskrauts, vor allem zur Behandlung von Wunden, gab es bereits in der Antike.

    Wissenswertes über die Pflanze

    Das Johanniskraut ist vor allem in Europa, aber auch in Westasien zu finden. Hier wächst es bevorzugt in lichten Wäldern, an Rändern von Wegen oder Feldern. Die Pflanze wird bis zu 90 Zentimeter hoch und zählt zu den Staudengewächsen. Vom zweikantigen Stängel gehen die sich gegenüberliegenden eiförmigen Blätter ab, in denen sich Öldrüsen befinden, die das ätherische Öl des Johanniskrauts produzieren. Bei dem blutroten Saft, der beim Zerreiben der Blütenblätter austritt, handelt es sich um das therapeutisch eingesetzte Hypericin.

    Seinen Namen hat das Johanniskraut übrigens dem Umstand zu verdanken, dass es rund um den Johannistag, am 24. Juni, strahlend gelb zu blühen beginnt. Der lateinische Name Hypericum perforatum bezieht sich auf die zahlreichen Öldrüsen, welche die Blätter gelocht erscheinen lassen.

    Über den Titel ‘Pflanze des Jahres’

    Seit 1999 wird an der Universität Würzburg eine Pflanze des Jahres ausgezeichnet, die sich durch ihre besondere Bedeutung für die Gesundheit des Menschen verdient gemacht hat. In vergangenen Jahren waren es zum Beispiel das Efeu (2010), die Passionsblume (2011) oder der Spitzwegerich (2014). 2015 ist es das Johanniskraut. Dem Würzburger „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ gehören Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und Biologen an.

    Literatur:
    1) EMA Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC, 2009)
    2) Linde K et al. (2008). St. John’s wort for major depression. Cochrane Database Syst Rev(4):CD000448.
    3) Schmidt M. Rationale Phytotherapie am Beispiel Johanniskraut. ÖAZ 18/2011
    4) Hofrichter J et al., Curr Alzheimer Res. 2013;10(10):1057-1069.
    5) Brenn A et al., Brain Pathol. 2014;24(1):18-20. doi: 10.1111/bpa.12069. Epub 2013 Jun 28.