Viele Bakterien? Studie ortet Händetrockner als Keimschleuder

Multiresistente Krankenhauskeime schneller entdecken

Im Kampf zwischen Herstellern von Papierhandtüchern und Produzenten von elektrischen Händetrocknern werden immer wieder Studien bemüht, die die Überlegenheit der eigenen Methode bzw. die Mängel der jeweils anderen dokumentieren sollen. Nun hat eine internationale Forschergruppe in einer multizentrischen Krankenhausstudie untersucht, ob und in wieweit die Art des Händetrocknens die Verteilung von Krankheitserregern beeinflusst. Das Ergebnis: In Waschräumen mit Papiertrocknern wurden deutlich weniger Bakterien auf den Spendern, Böden oder in der Luft gefunden als bei Einsatz von elektrischen Lufttrocknern. Das Problem: die Studie wurde vom Europäischen Berufsverband der Papierproduzenten (ETS) bezahlt.

Zum Schutz vor Infektionen ist die Handhygiene besonders wichtig – keine Frage. Das Thema ist aber nicht nur zur Grippesaison relevant, sondern alljährlich auch besonders rund um Patienten mit geschwächtem Abwehrsystem. Das können Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen sein, Patienten nach einem Stammzelltransplantat oder aber auch Krebserkrankte während einer Chemotherapie. Was man aber nur selten bedenkt beim Händewaschen, ist, dass nicht nur das Waschen selbst kritisch ist, sondern auch die Methode des Abtrocknens.

Im Zuge des immer härter werdenden Kampfes am Markt zwischen den Produzenten der unterschiedlichen Trockenmethoden werden gerne Studien bemüht um die jeweils eigene Methode als besser darzustellen. Besonders seit dem Erfolg von Hochdruck-Trocknern sieht sich die Papierhandtuchindustrie gefordert. Sie hat nun eine Studie in Auftrag gegeben (und finanziert), die erstmals auch im großen Stil Drucklufthandtrockner (Jet Air Dryer) berücksichtigt.

Fazit: In Waschräumen mit Papiertrocknern wurden deutlich weniger Bakterien auf den Spendern, Böden oder in der Luft gefunden als bei Einsatz von elektrischen Lufttrocknern. Entsprechend sollte gerade in Kliniken nicht nur auf das Händewaschen, sondern auch verstärkt auf die Trockenmethode geachtet werden.

Welche Methode verteilt mehr Krankheitserreger: Papier- oder Lufttrockner?

Dies ermittelten sie in einer Multizentrenstudie, in der die bakterielle Belastung in Waschräumen verglichen wurde. In drei teilnehmenden Kliniken in Großbritannien, Frankreich und Italien wurden über einen Zeitraum von 12 Wochen zu insgesamt 120 Zeitpunkten Proben genommen und analysiert. Dabei wurde in allen Kliniken zum Vergleich mal mit Papierhandtüchern, mal mit elektrischen Lufttrocknern getrocknet.

Bakterienproben wurden aus der Luft, verschiedenen Oberflächen und Staub entnommen. Zusätzlich wurde bestimmt, wie viele Menschen (Patienten, Besucher oder Mitarbeiter) die Waschräume nutzten.

Vergleich der Bakterienzahlen auf Oberflächen und in der Luft

Der Betrieb in den Waschräumen war in der britischen Klinik am höchsten – neunmal so viele Menschen wurden hier aufgezeichnet im Vergleich zu den beiden anderen Kliniken. Bei der Analyse der bakteriellen Belastung waren die Papierhandtücher im Mittel eher von Vorteil. Zwar lagen die Belastungen bei Papier- und Lufttrockner in Frankreich und Großbritannien gleichauf, in Italien waren dagegen deutlich weniger Bakterien in den Proben zu finden, wenn mit Papier getrocknet wurde.

Unterschiede waren besonders auf den Trocknerapparaten selbst zu vermerken: in allen drei Kliniken. Gemessen wurden dabei koloniebildende Einheiten (KbE) – Proben werden dazu auf einem Nährstoffboden verteilt aufgebracht. Nach einer Wachstumsphase sind typischerweise mehrere ‚Punkte‘ auf dem Nährboden sichtbar: neue Kolonien, die sich jeweils aus einem Bakterium entwickelt haben. Diese werden gezählt und lassen auf die Menge an Bakterien an der getesteten Stelle rückschließen.

Auf den Lufttrocknerapparaten wurden nun im Mittel 100 bis 300 solcher koloniebildenden Einheiten gefunden, auf den Papierspendern dagegen nur bis zu 10 KbE. In Großbritannien und Frankreich wurden deutlich mehr Bakterien auf den Waschraumböden mit Lufttrocknern (191 KbE) als mit Papiertüchern (24 KbE) gefunden. Dabei waren je nach Land unterschiedlich häufig auch gefährlicherere Krankenhauskeime (z. B. mit Resistenzen) zu finden.

Händetrocknen mit Papiertüchern: weniger Bakterien in Waschräumen

Die Forscher zeigten damit in drei Kliniken in drei Ländern, dass die Ausstattung von Waschräumen mit Papierhandtüchern vorteilhaft für die Hygiene sein kann. In Waschräumen mit Papiertrocknern wurden typischerweise deutlich weniger Bakterien auf den Spendern, Böden oder in der Luft gefunden als bei Einsatz von elektrischen Lufttrocknern. Entsprechend sollte gerade in Kliniken nicht nur auf das Händewaschen, sondern auch verstärkt auf die Trockenmethode geachtet werden.

Kritik: Studien schlecht und ohne eindeutige Ergebnisse

Um die Art des Händetrocknens ist ein wahrer Handelskrieg unter den Produzenten ausgebrochen. Studien sollen deshalb die Frage klären, ob Papierhandtücher oder elektrische Trockner für die saubersten Hände sorgen. Doch wie medizin-transparent.at herausfand, waren die bis 2016 untersuchten Studie allesamt von mangelhaftem wissenschaftlichem Wert. So war die Anzahl der Studienteilnehmer in fast allen Studien sehr niedrig, zudem wurden Mängel bei der Durchführung oder der Auswertung festgestellt, die dadurch die Aussagekraft deutlich einschränkten.

Außerdem hat offenbar keine der wissenschaftlichen Publikationen die Frage thematisierte, ob die verbleibende Menge an Keimen auf den Händen tatsächlich ein relevantes Risiko für die Person selbst oder ihre Umgebung darstellen würde. Insgesamt wurden die Relationen bei diesem Thema verschoben, denn es ist wissenschaftlich unbstritten, dass für die mikrobielle Belastung der Hände sowieso das Waschen einen größeren Einfluss hat als die Trocknungsmethode.

Fazit: Auch die aktuelle Studie wurde vom Berufsverband der Produzenten für Papierhandtücher in Brüssel, kurz ETS (European Tissue Paper Industry Association) finanziert, das Ergebnis pro Papierhandtücher kann daher nicht wirklich überraschend kommen. Auch nicht überraschend ist, dass sich Hersteller von Jet Air Dryer (allen voran Marktführer DYSON), gegen diese Studien wehrt und im Gegenzug auf andere Publikationen verweist. Im Falle von Dyson in Form einer „Ablenkung“ vom eigentlichen Thema: In einer Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) wurde nachgewiesen, dass der Trockner Airblade von DYSON die weltweit umweltfreundlichste Möglichkeit des Handtrocknens ist. Aber das ist ja eigentlich wieder eine andere Geschichte.

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Quellem:

¹ Environmental contamination by bacteria in hospital washrooms according to hand-drying method: a multi-centre study ( E. Best, P. Parnell, J. Couturier etal.; Journal of Hospital Infection 2018) DOI: https://doi.org/10.1016/j.jhin.2018.07.002
² Was ist hygienischer: Papierhandtuch oder Händetrockner? (medizin-transparent.at)
³ www.deutschesgesundheitsportal.de

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Über Kave Atefie

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