Fahrradhelme können Kinder vor schweren Kopfverletzungen schützen

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Allein in Deutschland kommt alle 18 Minuten ein Kind unter 15 Jahren im Straßenverkehr zu Schaden, Unfallchirurgen raten daher eindringlich zum Tragen von Helmen und reflektierender Kleidung. In Österreich verletzen sich 5.000 Kinder jährlich beim Radfahren, jede dritte Verletzung ist als schwer einzustufen. Doch nach wie vor ist das Helmtragen keine Selbstverständlichkeit bei Kindern. Denn 72 Prozent der Kopfverletzungen entfallen auf Kinder und Jugendliche, die keinen Helm getragen haben.

Wenn Anfag September die Schule wieder losgeht und am nächsten Tag die neuen Volkssschüler eingeschult werden, wird es wieder voller auf den Straßen und Radwegen in den Städten. Tausende Schülerinnen und Schüler sind dann jeden Tag unterwegs – viele von ihnen mit dem Fahrrad. Radfahren zählt zu den beliebtesten Sportarten der Österreicher. Schon Kleinkinder beginnen mit dem Laufrad Gleichgewicht und Koordination zu trainieren. Doch gerade für Kinder, die noch wenig Erfahrung am Rad haben, ist dieser Sport nicht ungefährlich. Für die Verkehrsteilnehmer gilt daher: Erhöhte Achtsamkeit, um schwere Unfälle zu vermeiden.

Prof. Dr. Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), rät den radelnden Schülerinnen und Schülern außerdem dringend zum Tragen eines Fahrradhelms: „Bei schweren Verletzungen mit dem Fahrrad ist vor allem der Kopf betroffen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist das Tragen eines Kopfschutzes wichtig.“

Nach wie vor hohe Unfallszahlen

Alle 18 Minuten kommt in deutschland ein Kind im Alter von unter 15 Jahren im Straßenverkehr zu Schaden.

Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes kam es in Deutschland im Jahr 2016 zu mehr als 80.000 Fahrradunfällen bei denen Personen verletzt wurden. Knapp 400 Radfahrer starben dabei. In etwa drei Vierteln der Unfälle war die Hauptursache für schwere Verletzungen bei Fahrradunfällen ein Zusammenstoß mit einem Auto. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Kinder: Im Durchschnitt kam im Jahr 2016 in Deutschland alle 18 Minuten ein Kind im Alter von unter 15 Jahren im Straßenverkehr zu Schaden. Knapp 9.000 Kinder hatten einen Unfall mit dem Fahrrad.

„Kinder nehmen den Straßenverkehr anders wahr als Erwachsene. Häufig kennen sie sich mit den Verkehrsregeln noch nicht gut aus oder können Risiken nicht richtig einschätzen. Besonders wenn es jetzt wieder dunkler wird, werden sie auf ihren Fahrrädern von Autofahrern insbesondere beim Rechtsabbiegen übersehen und erfasst“, erklärt Prof. Joachim Windolf. Daten aus dem TraumaRegister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zeigen, dass gerade bei den lebensgefährlich verletzten Radfahrern das schwere Schädel-Hirn-Trauma die Hauptverletzung ist. Dabei kann es zu massiven Hirnblutungen kommen, die dann lebensgefährlich sind.

Fahrradhelme schützen vor schweren Kopfverletzungen

Ein Helm schützt den Kopf im Falle eines Sturzes, indem er die Energie reduziert, die beim Aufprall auf den Schädel einwirkt – daher erleiden Helmträgerinnen und Helmträger weniger schwere Kopfverletzungen.

Wichtigste Schutzmaßnahme beim Radfahren ist demnach das Tragen eines gut sitzenden Helmes, empfiehlt das Österreichische Komitee für Unfallverhütung im Kindesalter („Grosse schützen Kleine“). Dies ist bis zum zwölften Geburtstag zwar gesetzlich verpflichtend, laut einer Studie kommen aber nur rund 42 Prozent dieser Verpflichtung nach. Je älter die Kinder werden, desto schlechter die Quote: Nur ein Drittel der Zwölf- bis 14-Jährigen trägt dann noch einen Helm, bei den 15-Jährigen sind es dann gar nur mehr 50 Prozent.

In Deutschland ist die Quote noch schlechter, vor allem bei den Erwachsenen: „Nur etwa 20 Prozent der Deutschen tragen einen Fahrradhelm, das ist zwar eine leichte Steigerung zu früher und der Helm wird auch immer mehr akzeptiert, aber es sind immer noch zu wenige“, beklagt Windolf.

Ursache dafür dürfte das schlechte Image des Fahrradhelms sein. Doch heute ist es längst nicht mehr notwendig, dass ein Helm uncool wirkt, ganz im Gegenteil, gibt es jetzt doch bereits eine gewaltige Auswahl auffallender Helme, die trotzdem die Sicherheitsstandards erfüllen. Holger Till, Präsident von „Große schützen Kleine“ und Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie wünscht sich dennoch eine gesetzliche Regelung für Kinder und Jugendliche: „Eine Anhebung der gesetzlichen Altersgrenze auf zumindest 15 Jahre, vergleichbar zum Schihelmgesetz, wäre absolut wünschenswert.“

Experten raten Eltern und Schülerinnen und Schülern außerdem zum Tragen von reflektierender Kleidung und ausreichendem Licht am Fahrrad. Auch Warnwesten können ein einfaches, aber effektives Mittel sein, damit Kinder auf ihren Fahrrädern im Straßenverkehr besser gesehen werden. Zum Schulstart appelliert er: „Eigenverantwortung und gegenseitige Führsorge sind im Straßenverkehr unerlässlich. Sollte doch etwas passieren, hilft die richtige Schutzkleidung dabei, schlimmere Verletzungen zu verhindern: Jeder Radler – egal ob Kind oder Erwachsener – sollte einen Helm tragen!“

Tipps für den Kinder Radhelmkauf

Der österreichische Aufofahrerclub ÖAMTC hat folgenden Empfehlungen für den Kauf eines Kinderradhelms auf seiner Website herausgegeben:

    1. Das Kind zum Kauf unbedingt mitnehmen. Trotz vieler Einstellmöglichkeiten passt nicht jeder Helm zu jedem Kopf. Das Modell unbedingt vorher probieren.
    2. Unbedingt auf das Prüfzeichen EN1078 achten, dann ist ein gewisses Sicherheitsniveau bereits gegeben.
    3. Der Helm soll mit reflektierenden Aufklebern versehen sein. Diese können allerdings auch nachgerüstet werden. Helles Farbdesign ist zu bevorzugen.
    4. Helmschlösser sollten durch Laschen so abgedeckt oder gestaltet sein, dass beim Schließen die Haut nicht gezwickt wird.
    5. Da die Optik für die Kleinen eine große Rolle spielt, muss der Helm dem Kind gefallen, nur so setzt es die neue, „coole“ Kopfbedeckung auch gerne auf.
    6. Auch für im Fahrradanhänger mitgeführte Kinder besteht Helmpflicht.
    7. Hat ein Fahrradhelm bei einem Sturz seinen Dienst getan, muss er getauscht werden, auch wenn mit freiem Auge oft keine Schäden erkennbar sind.

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Quellen:

– ÖAMTC: Radhelme für Kinder – Tipps für den Kauf
– Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Presseaussendung: Fahrradhelme für Kinder

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