Pandemie macht Nachjustierungen beim Schulimpfwesen notwendig

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Eltern, die Kinder in mehreren Schulen haben, kennen das: In einer Schule wird geimpft, in der anderen nicht. Manchmal impft der Schularzt, manchmal der Amtsarzt und manchmal kommt auch ein anderer niedergelassener Arzt für die Impfung in die Schulen. An Informationen für die Eltern, warum wann wogegen geimpft werden soll, mangelt es häufig.

Für Eltern ist es schwer, den Überblick zu behalten und dafür zu sorgen, dass ihre Kinder alle im österreichischen Impfplan empfohlenen Impfungen bekommen.

Das war schon vor der Pandemie so, in den letzten 14 Monaten sind die vorgesehenen Schulimpfungen allerdings auch noch großteils ausgefallen. Da in der Schule wohl nicht mehr alle Impfungen bis Ende des Semesters nachgeholt werden können, müssen sich die Eltern nun selbst darum kümmern.

Covid-19 erschwert die Impfsituation

Viele Impfungen werden im Kindesalter (erstmals) verabreicht, um das noch unerfahrene Immunsystem zu unterstützen und die Kinder vor schweren Erkrankungen zu schützen. In Österreich sind die meisten dieser Impfungen im kostenlosen Kinderimpfkonzept enthalten, viele werden im Rahmen der Schulimpfungen verabreicht. Das ist momentan auch das Problem, denn aufgrund der wenigen Präsenztage in der Schule und der COVID-19-Schutzmaßnahmen wurden im letzten Jahr teilweise weniger als 50 Prozent der notwendigen Impfungen durchgeführt. Ein Konzept, wie diese nachzuholen sind, gibt es vorerst nicht

Mittel- und langfristig sind Verbesserungen des Schulimpfwesen aber unumgänglich. Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) legt dazu nun Vorschläge auf den Tisch.

Rechtzeitig Schutz aufbauen

Schulimpfungen sind eine wichtige Maßnahme, um Kinder und Jugendliche zu erreichen und gegen die wichtigsten impfpräventablen Erkrankungen zu schützen. „Da diese Erkrankungen aufgrund der Impfungen heute nur noch selten auftreten, ist vielen ihre Gefährlichkeit nicht mehr bewusst“, erklärt Renée Gallo-Daniel, Präsidentin des ÖVIH. „Allein die Vierfach-Impfung gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Keuchhusten (Pertussis) und Kinderlähmung (Polio), die zwischen dem siebenten und dem neunten Lebensjahr aufgefrischt werden muss, kann mehrere lebensbedrohliche Krankheiten verhindern“, ergänzt Vizepräsidentin Sigrid Haslinger.

„An Tetanus sterben zum Beispiel selbst bei optimaler Behandlung immer noch 20 bis 30 Prozent der Erkrankten.“ Daher sei es so wichtig, dass bereits im Kindesalter ein Impfschutz aufgebaut würde, der bei manchen
Impfungen im Erwachsenenalter aufgefrischt werden müsste, um diesen auch zu behalten.

HPV-Impfung: Wenige Stiche gegen potenziell lebenslanges Leid

Ebenfalls in der Volksschule sollten laut Impfplan Buben und Mädchen gegen HPV geimpft werden. „Diese Impfung wird in Österreich leider noch nicht so angenommen, wie das in manch anderen Ländern der Fall ist“, erläutert Christoph Jandl, Generalsekretär des ÖVIH.

„Mittlerweile haben jedoch schon viele Studien nachgewiesen, dass eine HPV-Impfung bei Kindern viele Krebserkrankungen im Erwachsenenalter, vor allem Gebärmutterhalskrebs, aber auch HNO-Tumore oder Peniskarzinome, verhindern kann.“ Die WHO wollte durch die HPV-Impfung den Gebärmutterhalskrebs bis 2030 sogar eliminieren. Aus heutiger Sicht dürfte dieses Ziel jedoch verfehlt werden. „Ein Grund mehr, Aufklärungsarbeit zu leisten“, so Jandl.

Aufklärung notwendigt: Schulimpfungen als wichtige Unterstützungsmaßnahme für Eltern

„Für Eltern ist es aufwändig, den notwendigen Überblick über alle Impfungen zu behalten, daher sollten Schulimpfungen den Eltern auch die Planung erleichtern“, betont Jandl. „Allerdings gibt es derzeit massive Unterschiede zwischen den Bundesländern, aber auch zwischen den Schulen. Bundes- und Landesschulen, öffentlich oder privat, Umgang der Direktion in den Schulen mit dem Thema – all das führt zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen.

Auch die Aufklärung der Eltern findet in vielen Fällen nicht so statt wie das wünschenswert wäre. Eltern klagen über keine oder zu wenig Information, Zettelwirtschaft und andere Probleme. Verbesserungen sind also dringend notwendig.“

Der ÖVIH hat nun Vorschläge erarbeitet, um das System zu verbessern, Eltern besser zu informieren und Kinder leichteren Zugang zu den empfohlenen Impfungen zu ermöglichen.

Wichtigster Punkt: Flächendeckende Impfungen an allen Schulen in jedem Bundesland, die gleich organisiert sein sollten. In diesem Zusammenhang müsse auch geklärt werden, von wem die Impfung durchgeführt werden soll (Schularzt, Amtsarzt, Impfarzt). Außerdem plädiert der ÖVIH für einen möglichst geringen administrativen Aufwand sowohl für die impfenden Ärzte als auch für das Schulpersonal und die Eltern.

Pandemiebedingt müssten außerdem noch vor Schulschluss Alternativen zu den ausgefallenen Schulimpfungen an die Eltern kommuniziert werden.

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Quelle:

– Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH)

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