Geruchs- und Geschmacksstörungen häufig bei Covid-19

Politik & Forschung

Neben Fieber und trockenem Husten sind auch plötzlich auftretende Geruchs- und Geschmacksstörungen offenbar häufige Symptome bei Patienten mit Covid-19. Immer wieder beschreiben Covid-19-Patienten, dass sie ihren Geruchs- und damit Geschmacksinn verloren haben. Nun liegen die Ergebnisse einer ersten großen Meta-Analyse vor.

Diese bestätigt erste Vermutungen und ist die Basis weiterer Untersuchungen von Zusammenhängen zwischen Symptomen der Infektion und plötzlichem Geruchs- und Geschmacksverlust bei Infektionen mit dem Coronavirus und bei Covid-19 Patienten. Auch das Institut für Psychologie an der Universität Graz nimmt an dieser groß angelegten internationalen wissenschaftlichen Studie teil.

Covid-19-Symptome: Riechen und Schmecken gestört

Die Meldung von Riech- und Geschmacksstörungen als frühes Symptom bei Corona kam zuerst von China, Südkorea und Italien. Dort wurde festgestellt, dass 30 bis 60 Prozent der getesteten Infizierten, die befragt wurden, an diesen Riech- und Schmeckstörungen leiden. Das Besondere an diesem Symptom ist, dass es auftritt ohne dass die Nase läuft oder verstopft ist. Diese Symptome treten offenbar noch vor den Anzeichen Husten und Halskratzen auf. Manche bekommen auch gar keine weiteren Symptome.

Diese Beobachtung ist wichtig, denn gerade die Menschen, die sich infiziert haben aber eben keine weiteren Symptome haben, die wissen auch nicht, dass sie das Virus weiter verbreiten.

Eine frühe Identifikation solcher Personen könnte also helfen eine schnelle sogenannte symptomlose Übertragung zu unterbinden. Diese gilt als eine der Hauptkräfte für die Coronavirus Pandemie.

Wissenschaftler fassten die Ergebnisse mehrerer Studien zusammen

Ausgangspunkt für die nun präsentierte Meta-Analyse war eine Studie aus Italien, in der die Wissenschaftler 59 COVID-19-Patienten zu diesen Symptomen befragten. Laut dieser Studie war jeder dritte Patient von mindestens einer der beiden Störungen betroffen (Studie von Giacomelli und Kollegen, 2020 in der medizinischen Fachzeitschrift Clinical infectious diseases veröffentlicht). Wissenschaftler aus den USA untersuchten dieses Phänomen in einem größeren Maßstab, indem sie die Ergebnisse mehrerer Studien zu eben dieser Thematik zusammenfassten.

Auf einen Blick:

  • Wissenschaftler fassten die Ergebnisse mehrerer Studien zu Geschmacksstörungen (9 Studien; 1 390 Patienten) und Geruchsstörungen (10 Studien; 1 627 Patienten) bei COVID-19 Patienten zusammen
  • 44 % der COVID-19-Patienten litten unter Geschmacksstörungen
  • 53 % der COVID-19-Patienten waren von Geruchsstörungen betroffen

Die Wissenschaftler bedienten sich für ihre Literaturrecherche verschiedener Datenbanken (PubMed, Embase und Scopus). Sie suchten nach Studien, die bis zum 19. April 2020 in englischer Sprache veröffentlicht wurden und von Geruchs- und Geschmacksstörungen bei COVID-19-Patienten berichteten. Bezüglich der Geruchsstörungen erfüllten zehn Studien die Kriterien der Wissenschaftler (n=1 627). Im Hinblick auf Geschmacksstörungen waren es neun Studien (n=1 390).

Bei ihrer zusammenfassenden Analyse stellte die Wissenschaftler fest, dass die Prävalenz von Geruchsstörungen bei COVID-19-Patienten bei 52,73 % (95 % CI: 29,64-75,23 %) lag. Von Geschmacksstörungen waren 43,93 % (95 % CI: 20,46-68,95 %) der COVID-19-Patienten betroffen.

Geschmack- und Geruchstörungen traten bei Patienten mit COVID-19 somit häufig vor. Etwa die Hälfte der Patienten war betroffen. Die Autoren der Studie sind der Ansicht, dass diesen Symptomen Beachtung geschenkt werden sollte, da sie oftmals bereits früh im Krankheitsverlauf auftreten. Wenn die Riechstörung als Frühsymptom aufgenommen wird, könnte dies auch für Begründungen für Coronatests herangezogen werden.

Große internationale Studie

Mit dem Hintergrund dieser erkenntnisse haben sich über 500 ForscherInnen aus mehr als 38 Ländern aus den Bereichen Klinik, Neurobiologie, Daten- und Kognitionswissenschaft, Sinnesforschung und Technik zu einem Global Consortium of Chemosensory Researchers (GCCR) zusammengeschlossen. An diesem Konsortium ist auch die Arbeitsgruppe Neuroimaging des Instituts für Psychologie beteiligt.

Im Rahmen einer groß angelegten internationalen wissenschaftliche Studie sollen mögliche Zusammenhänge zwischen Symptomen der Infektion und plötzlichem Geruchs- und Geschmacksverlust untersucht werden.

Diese breit angelegte Forschung kann zu einer früheren Diagnose beitragen. Jeder kann durch das Ausfüllen des Online-Fragebogens helfen, wenn er kürzlich coronaähnliche Symptome hatten. Der Fragebogen wird für einen längeren Zeitraum online verfügbar bleiben.

Diese Umfrage steht in mehr als 22 Sprachen allen Interessierten auf der Website des Konsortiums zur Verfügung >> Online-Fragebogen (www.gcchemosensr.org)

Der Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn kann ein möglicher Vorbote von Covid-19 sein. Forscher wollen sich das daher zur Früherkennung zunutze machen. Deswegen wird an der Entwicklung eines Corona–Frühtests auf Geruchs- und Geschmackssinn für zu Hause gearbeitet.

Forscher der Danube Private University in Krems, der Johannes Kepler Universität Linz und des Austrian Institute of Technology wollen deshalb Riechtests entwickeln, um Corona-Patienten frühzeitig identifizieren und isolieren zu können. Man hofft, auf Basis der Primärresultate rasch anwendbare Tests zur Verfügung stellen zu können. (Stand: 12.4.20)

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Quellen:

SWR Wissen: Riechstörung als frühes Symptom bei Corona
Online-Umfrage zu Geschmacks- und Geruchsstörungen bei COVID-19
– The Prevalence of Olfactory and Gustatory Dysfunction in COVID-19 Patients: A Systematic Review and Meta-analysis (Jane Y. Tong, Amanda Wong, Daniel Zhu et al.;
Otolaryngology–Head and Neck Surgery 05/20) DOI: 10.1177/0194599820926473

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